Bergrettung an der Mosel

Am Jakobsweg, 2200 Kilometer von Santiago die Compostela entfernt, liegt das Weingut des Schweizers Daniel Vollenweider. (www.weingut-vollenweider.de). Nicht in seiner graubündischen Heimat hat er und seine Reben Wurzeln geschlagen, sondern in Trabach an der Mosel. Der Grund liegt in seiner Vorliebe für den Riesling, die ihn nach dem Genuss einer 1990er „Schwarzhofberg Auslese“ des legendären Egon Müller vom Scharzhof an der Saar in diese Gegend lockte. Auf den rund 4 ha großen Weinbergen in der Wolfer Goldgrube und einer Kröver Lage baut Vollenweider auf meist ungepfropften bis zu 100 Jahre alten Stöcken Riesling an – sonst nichts. Obwohl bei der Mosel den meisten Weinfreunden die „Königin der Weißweine“ sofort in den Sinn kommt, sind inzwischen weniger als zwei Drittel der Rebflächen damit bepflanzt. Daniel Vollenweiders Rebflächen auf grauen bis rotgrauen Schiefer liegen meist in der Goldgrube, einem einst vergessenen Steilhang mit nicht flurbereinigten Parzellen gegenüber den kleinen Ort Wolf.

Vollenweider, der beim Publikum und bei der Presse gut ankommt, kann es sich mit seinen eleganten trockenen bis edelsüßen Weißweinen erlauben, etwas höhere Preise zu verlangen, als viele seiner Kollegen. 2000 hatte er mit dem Weinbau angefangen und präsentierte als völliger Neuling bereits 2001 eine derart überzeugende Kollektion, dass ihn die Kollegen von Gault Millau kurz darauf zu ihrer „Entdeckung des Jahres“ krönten und seit einigen Jahren mit vier Trauben in die Spitzengruppe der deutschen Winzer einreihen, während Gerhard Eichelmann ihn gar mit fünf Sternen zur deutschen Weltklasse zählt. Dennoch sind die 9,80 € für seinen 2011er Einstiegsriesling Felsenfest mehr als gerecht und für knapp den doppelten Betrag bekommt man eine wundervolle 2011er Wolfer Goldgrube Spätlese aus dem edelsüßen Bereich, für den der Quereinsteiger berühmt ist.

Ein Trauerspiel ist allerdings, was sich rund um Vollenweiders Rebflächen abspielt. Viele der Steil- und Steilstlagen wurden im Lauf der Jahre von den Weinbauern aufgegeben, das sie arbeitsintensiv sind und der Verkauf der Weine bei den traditionellen Kunden bei vielen Winzern nicht mehr die Kosten zu decken vermag. Damit dem langsam ein Riegel vorgeschoben wird, hat Vollenweider zusammen mit Winzerkollegen, die seine Welt- und Weitsicht teilen, den „klitzekleinen Ring“ (www.klitzekleinerring.de) gegründet.

Die Verhohnepipelung des VDP-Großen Rings und des Bernkasteler Rings, zweier Vereinigungen der alten Mosel-Spitzenweingüter, geht auf Vollenweiders Konto, als er aus einer Weinlaune den Namen vorschlug und dieser bei seinen Winzerfreunden gut ankam.

Um die Kultur des Weinbaus ihrer Region auch für nachkommende Generationen zu bewahren haben die elf Mitglieder sich unter dem Label „Bergrettung“ der Rettung und Pflege wertvoller Steillagen an der Mosel gewidmet. Seit 2006 ist der gemeinsam erzeugte Wein unter diesem Namen erhältlich. In den ersten Jahren stammte er von einem terrassierten, stark mit Felsen durchsetzten Abschnitt der Lage »Enkircher Ellergrub«, wo die Reben in klassischer moselanischer Einzelpfahlerziehung wachsen. Maschinell ist da nichts zu machen, denn die Reben fordern aufwändige Handarbeit. Nachdem der Rebhang von einem Traben-Trarbacher Weingut übernommen wurde, sind die engagierten Winzer weitergezogen, um den nächsten Hang zu retten, eine Parzelle im „Trabener Zollturm“, wo auf 3000 qm sehr alte Reben auf Grauschiefer darbten.

Mit Preisen ab 12 Euro sind die Weine kein Schnäppchen, aber eine gelungene Unterstützung der Steillagenwinzer.Ein guter Platz, um die Weine des Winzers zu probieren ist das schmucke Romantikhotel Bellevue, ein Schätzchen des Jugendstils, auf der anderen Moselseite.

(c) Magazin Frankfurt, 2018