Biowein vom Rand der Cevennen

Mas les Quernes - Biowein vom Rand der Cevennen

Der Önologe Jean Natoli hat ein Team von 25 Mitarbeitern mit denen er über 300 Weingütern im Süden Frankreichs und in den angrenzenden Mittelmeerländern hilft, typische, charaktervolle und kundenfreundliche Weine zu erschaffen. Der Deutsche Peter Riegel importiert und vertreibt mit seiner Mannschaft seit einem Vierteljahrhundert Biowein aus der ganzen Welt. Gemeinsam haben sie viele Winzer freundschaftlich bei ihrem Weg im Bioweinbau begleitet und sind dabei selbst gute Freunde geworden. Vor ein paar Jahren stellten sie ihre Freundschaft mit einem herausfordernden eigenen Projekt Mas des Quernes auf die Probe und erleben Überraschungen, manchmal auch Enttäuschungen und vor allem viele neue wertvolle Erfahrungen.

Wohl einen entscheidenden Einfluss auf ihre Entscheidung hatte wohl die Erfahrung von Riegels Kollegen und Konkurrenten auf dem deutschen Markt, dem Weingroßhändler Rolf Freund, der Natoli schon ein paar Jahre zuvor um Vermittlung eines geeigneten eigenen Weinguts bat und damit innerhalb weniger Jahre eine Erfolgsbilanz vorweisen konnte. Da wollten Natoli und Riegel nicht nachstehen. Waren es bisher immer die Weinberge und die Weine der anderen, sind es jetzt auch ihre eigenen, bei denen sie über Bioumstellung, Weinbergsarbeit, Lesezeitpunkt diskutieren müssen und dabei festlegen, welchen Wein in welcher Parzelle wachsen soll.

Peter Riegel und Jean Natoli

Riegel hatte Natoli schon vor vielen Jahren als Önologen bei Louis Delhon kennen und schätzen gelernt. Denn er spürte, dass er ihm gut helfen konnte, seinen Winzern zu helfen, bessere Weine zu machen. Es war eine Herausforderung, denn es ging darum, mit Menschen aus einer ganz anderen Kultur ein gemeinsames Projekt zu gründen. Auch Natoli hat Vertrauen in seinen Partner. „Er ist freundlich und großzügig, aber er bleibt sehr bedacht im Umgang mit den Menschen, schenkt ihnen Vertrauen“.

Als 2007 die gemeinsame Idee konkrete Formen annahm, besichtigten sie viele Weingüter, bis sie Anfang 2009 das Richtige gefunden hatten. Kein schickes Château, aber ein schönes Fleckchen Erde, dessen alter Besitzer, Monsieur Valdeyron, ein guter Landwirt war, der seine Weinberge mit Liebe gepflegt hatte und seine Trauben an die Kooperative in Montpeyroux lieferte.

Mas des Quernes

Es war ein kulturelles Kleinod, das sie da erwarben. Der Name Quernes kommt von dem keltischen Wort für die Steinhaufen, die man hier noch findet. Die biologische Bewirtschaftung sorgt für biologische Vielfalt. Die Weinberge liegen im Languedoc bei Montpellier, und grenzen an die Appellationen Montpeyroux und Terrasses du Larzac. Es sind 12 Hektar Wildnis, Olivenbäumen und Weinbergen, anders als sonst im Languedoc, das meist von Monokulturen geprägt ist, an den Ausläufern des Kalkstein-Gebiets am Fuße des Mont Baudil. Die verwilderten Olivenkulturen haben die beiden neu belebt, mit Drahtrahmen im Weinberg für mehr Belüftung und Sonneneinstrahlung gesorgt. Die kalkreiche und karge Schotterschicht beherrscht das 5 ha große obere Plateau, wo die Lagen Les Ruches, Plan und Villa Romaine liegen, in denen die Wurzeln der Reben von einem kleinen unterirdischen Wasservorkommen versorgt werden. Meist ist es Mourvèdre, Grenache und Carignan, der hier wächst und die besten Weine des Weinguts hervorbringt. Die Parzellen Jumeux, Levant, Ponant und Guinet sind schmale Sandstein-Terrassen, die mit Cinsault bepflanzt sind, der niedrige Erträge liefert.

Die Instandsetzung der alten Trockenmauern wird wohl noch eine längere Zeit in Anspruch nehmen. Darunter liegen die Parzellen Bas, Feuilles Mortes, Poiriers, Cades, Grand Travers, Amand und Blaireau Vieille Vigne mit einem Boden aus gelbem Mergel mit Ton, wo der Humusanteil und die Feuchtigkeit im Boden höher liegen und so mehr Ertrag ermögliche. Dort wachsen Merlot, Carignan, Syrah, Grenache und Mourvèdre für fruchtige Rotweine oder verspielte Rosés. Auf ihrer Parzelle 'Villa Romaine' graben sie bei der Bodenbearbeitung regelmäßig Reste einer ehemaligen römischen Villa aus, denn bereits die Römer hatten die Qualitäten dieser Region erkannt. Seit dem Jahrgang 2012 ist das Weingut biologisch zertifiziert.

In Montpeyroux bauten Natoli und Riegel schnell in dem alten Dorfhaus einen neuen Keller auf. Praktisch und sauber sollte er sein, ohne viel Schnickschnack. Am Wein wird wenig gemacht, nachdem das perfekt gereifte Lesegut in den Keller kommt. Behutsam werden sie entrappt und nach Reife selektiert. Schwefel sieht der Wein erst nach der malolaktischen Gärung

Verkostung

Wir haben einige der Weine verkostet. Der Le Blaireau ist ein reinsortiger Carignan mit viel Frucht und Charme aus den vor über 50 Jahren gepflanzten ältesten Stöcken des Weinguts, ein fruchtig-kraftvoller Charmeur mit Tiefgang. Natürlich wurden die Trauben von Hand gelesen und dann zwei Wochen lang der traditionellen Kohlensäuregärung unterzogen . Den Namen hat er von den Dachsen, die in dem einst angelegten Drainagesystem leben und die Trauben ebenfalls schätzen. Mit dem Le Grand Travers bekamen wir einen Grenache mit 15 Prozent Carignan aus dem mittleren Preissegment ins Glas. Seine frische leichte Fruchtigkeit kommt von dem Carignan aus sehr alten Reben, der ihm Struktur verleiht.

In der Nase dominiert den warmen und generösen Wein Kirsche und Himbeere. Les Petite Terrasses spricht für sich, hier sind es die bereits erwähnten Cinsault-Stöcke mit dem niedrigen Ertrag, die mit Syrah und Merlot ergänzt werden. Ein Wein mit schönen Aromen von Sauerkirsche, Veilchen, Brombeere und Vanille. Le Ruche ist das Herzstück des Weinguts, eine Cuvée aus den traditionellen Rebsorten Grenache, Carignan und Mourvèdre, den man eigentlich ein paar Jahr lagern sollte, bevor man mit ihm anstößt. Der Wein stammt aus der vermutlich besten AOP-Lage des jungen Weinguts. Brombeere und Cassis, Lakritze und Pfeffer zeichnen den Wein mit der kräftigen Tanninstruktur aus.

(c) Magazin Frankfurt, 2018