Ören, Kopfstand

Die Titelerzählung "Kopfstand" spielt 2003, zur Zeit des Golfkrieges. Ein Mann erfährt, dass er erblinden wird, wenn er sich daran gewöhnt, die Dinge aus der Sicht eines anderen zu betrachten – dann ruft George W. Bush an und die Wohnung explodiert! Eine andere Geschichte handelt von einer Frau, die in einer Kneipe nach und nach alle Männer mit einem Wollfaden umwickelt. In der Toskana wiederum finden schießwütige Männer plötzlich ein neues Opfer – den Erzähler! In den Geschichten geht es also immer darum, wie sich Literatur verselbständigt, der Erzähler den Faden verliert, und dass das, was ist, nicht das ist, was berichtet werden will. Nach über zehn Jahren meldet sich damit der große Dichter und Erzähler Aras Ören in der deutschen Literatur zurück, nachdem die Texte bis dato nur auf Türkisch und in Kleinstauflagen erhältlich waren.

Für den neuen Band wurden sie überarbeitet und von dem Maler Wolfgang Neumann kongenial illustriert. Der 75-jährige Ören stammt aus Istanbul, arbeitete als Schauspieler und Dramaturg und lebt seit 1969 in Berlin, wo er Redakteur des SFB und Leiter der türkischen Redaktion von Radio Multikulti des RBB war. Für seine Bücher erhielt er zahlreiche renommierte Preise, wie den Adelbert-von-Chamisso-Preis, hatte 1999 eine Poetik-Dozentur an der Universität Tübingen inne und ist Mitglied der Akademie der Künste, Berlin. Einige seiner auf Türkisch geschriebenen Werke kamen in einer von ihm betreuten Übersetzung ins Deutsche heraus, andere erschienen zuerst auf Deutsch.

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(c) Magazin Frankfurt, 2018