Wolfe, Von Zeit und Fluss

Man sollte den amerikanischen Autor Thomas Wolfe nicht mit seinem 30 Jahre jüngeren Landsmann Tom verwechseln. Vor ein paar Jahren erschien der erst mehr als 50 Jahre nach seinem Tod erschienene Roman "Die Party bei den Jacks", mit der er große Aufmerksamkeit auf sich zog. Jetzt ist ein 1935 erschienenes "Of Time and the River" in einer Neuübersetzung. Es ist ein amerikanisches Epos, das seinesgleichen sucht – eine hymnische Daseinsfeier und das faszinierende Bekenntnis einer überschwänglichen, allumspannenden Künstlerseele.

Ein Herzensbuch für alle Suchenden und Sehnenden, ob jung oder alt, eine Meditation über die Geschicke des Menschenlebens – über Bestand und Unbestand, Endlichkeit und Dauer. Der lebenshungrige und unerfahrene Eugene ist auf der Suche nach sich selbst, nach seinem Bestimmungsort in der Welt. In Harvard und im New York der Zwanzigerjahre sammelt er erste Erfahrungen, lernt zu lieben, zu erkennen, zu denken, sich von falschen Vorbildern loszusagen und sich dabei selbst treu zu bleiben.

Bloß keine Erstarrung in Routinen – alles in seiner reifenden Seele ist noch im Werden, in permanenter Umgestaltung. Der Held macht sich auf nach Paris, doch auch an diesem Sehnsuchtsort lässt ihn sein abenteuerliches Herz keine Ruhe finden. Was Eugene antreibt und was er sich über alle Wechselfälle des Lebens hinweg erhält, ist der Hunger nach Erkenntnis und sinnlichem Genuss. So folgen aus seiner Selbstsuche philosophisch und spirituell höchst anregende Reflexionen über das menschliche Dasein – über Sein und Werden, Zeit und Fluss.

(c) Magazin Frankfurt, 2018