Fil, Pullern im Stehen

Die Kollegen von der Berner Zeitung bezeichnen ihn als "Der lustigste Deutsche der Welt!". Na ja, "Schweizer!!" ist man da geneigt zu sagen, doch auch die Kollegen der deutschen Medien sind von FiL angetan, denn Fil bringt zusammen, was nicht unbedingt zusammengehört: Professionalität und Dilettantismus. Das Resultat dieser Vermengung ist kultiviertes Chaos. Es ist lustig und gleichzeitig saugut, was man leider nicht oft erlebt. In Berlin ist FiL schon seit längerem eine Berühmtheit: als Cartoonist, Comiczeichner und inzwischen auch als Bühnenhumorist, der jeden Saal zum Kochen bringt. Mit solchen Geschichten: "Die Supermann-Geschichte faszinierte mich. Vor den anderen spielt er den kompletten Deppen, aber heimlich hat er unglaubliche Fähigkeiten. War das nicht exakt mein Leben?

Nur ohne die Fähigkeiten?" Wer im Märkischen Viertel aufgewachsen ist, der weiß, was Härte ist: Beton, Rockerbanden, pieksige Sträucher, und auf drei Seiten stand da früher außerdem noch die Berliner Mauer. Fil hat das alles am eigenen Leib erlebt, und dazu noch einiges mehr. Nun schreibt er über sich: als Kind in der Hochhaussiedlung, als Erziehungsobjekt in einer raumschiffartigen Gesamtschule der Siebziger, als Punk in feindlicher Umwelt, als Ziel sozialpädagogischer Extremmaßnahmen und als Heranwachsender, der nicht weiß, wer ihm mehr Rätsel aufgibt: die Eltern, die Lehrer, die Mädchen oder er sich selbst. Auf dem jetzt erschienenen Album gibt's die gut zweistündige gekürzte Live-Lesung aus dem TAK in Kreuzberg.

(c) Magazin Frankfurt, 2018