Fansa, Syrien - Weltkulturerbe im Bürgerkrieg

Ist es nur ein Gütesiegel oder ist es mehr? Der Eintrag in die Liste des Welterbes der UNESCO bedeutet nicht nur Anerkennung und Wertschätzung eines regionalen Kulturerbes durch die Weltöffentlichkeit, sondern stellt dieses auch unter den Schutz der Weltgemeinschaft. Was aber bedeutet das für das Beispiel Syrien mit seinen sechs Welterbe-Stätten und seine Bevölkerung? Die Frage ist angesichts der weit über 150.000 Toten, unzähligen Verletzten unter der Zivilbevölkerung, der acht Millionen Flüchtlinge, des verbrannten Bodens, der beschädigten Infrastruktur und zerstörten Kulturstätten schnell beantwortet. Es bedeutet Verlust Verlust des Lebens und der kulturellen Identität eines Volkes. Doch auch die übrige Welt wird zu den Verlierern gehören, denn Syrien gilt als eine der geschichtsträchtigsten Regionen des Nahen Ostens. Wichtige archäologische Fundstätten belegen Menschheitsgeschichte seit über 10.000 Jahren und Siedlungskontinuität von der Steinzeit bis in die Gegenwart.

Mamoun Fansa, der ehemalige Leitende Museumsdirektor am Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg, stammt aus Syrien und hat die Leser schon mit dem Band über seine Heimatstadt Aleppo und einem Bild-Vergleich vor und nach den Kämpfen die Augen für die zahllosen Zerstörungen geliefert. Zusammen mit den anderen Autoren dieses Bandes zieht er Bilanz und führt der Weltöffentlichkeit anhand der sechs Welterbe-Stätten die Schönheit und Bedeutung der Kulturlandschaft Syrien vor Augen. Gleichzeitig klärt er über den derzeitigen Stand der Zerstörungen, Plünderungen und Raubgrabungen auf. Dabei rücken auch die langfristigen, katastrophalen Folgen für die syrische Wirtschaft in den Blick, als deren wichtigste Grundlage auch der Kulturtourismus galt. Das Buch ist Dokumentation und Apell zugleich, die Entwicklungen in Syrien nicht aus den Augen zu verlieren.

(c) Magazin Frankfurt, 2020