Eiszeitjäger - Leben im Paradies?

Ein Fund. Zwei Tote. Mann und Frau? Vater und Tochter? Wer weiß es? Der Mann ist 40-45 Jahre alt, die Frau Anfang 20. Neben ihnen ein toter Hund. Ein Verbrechen? Was ist das Besondere daran: Es sind menschliche und tierische Überreste aus der Zeit vor rund 14.700 Jahren. Gefunden hat man sie vor 100 Jahren im Bonner Ortsteil Oberkassel. In seiner Bedeutung für die frühe Menschheitsgeschichte gesteigert wird der Fund durch die Beigabe von Kunstwerken, die aus Knochen und Geweih geschnitzt wurden. Sind Hund und Kunst also schon Begleiter des Menschen seit der späten Eiszeit?

Das ist aufsehenerregend und gibt Anlass sich mit der ganze Lebenswelt des Eiszeitjägers zu befassen. Mit den exakten Untersuchungsmethoden unseres Jahrhunderts hat ein Team von rund 30 Wissenschaftlern nicht nur das äußere Erscheinungsbild, sondern alle Bereiche des Lebens der Eiszeitjäger untersucht und präsentiert die Ergebnisse jetzt im LVR-Landesmuseum Bonn in der gleichnamigen Ausstellung.

Für Jahrtausende war das ganze Land damals in der Hand des Dauerfrosts. Es war eine unwirtliche, harte und fordernde Welt, in der nur jene bestehen konnten, die ständig die fast schwach bevölkerten Räume durchstreiften, um Kontakte mit anderen Gruppen aufrecht zu erhalten und den Familien das Überleben zu ermöglichen.

Beredtes Zeugnis davon legt nicht zuletzt der mitbestattete Hund ab - er war nicht länger gefürchteter Räuber, sondern gezähmter Begleiter. Als einer der Höhepunkte moderner Forensik ist es für die Ausstellung geglückt, die Gesichter der beiden Bestatteten zu rekonstruieren. Mann und Frau aus Oberkassel blicken so dem Besucher ins Auge und lassen ihn schlagartig erkennen, dass wir Heutigen nur einen Wimpernschlag in der Evolutionsgeschichte von ihnen entfernt sind.

(c) Magazin Frankfurt, 2019