Räuberischer Osten - Die Hochburgen des Autoklaus

Die aktuellen Zahlen bestätigen (leider) gern zitierte Vorurteile. Meist hören die betroffenen Autobesitzer ein kurzes Aufheulen des Motors und ihr Auto ist weg – wenn sie überhaupt etwas vom Diebstahl mitbekommen. 36.388 Autos wurden im Jahr 2014 gestohlen – rund 1.100 weniger als im Jahr zuvor. Doch zur Freude besteht kein Grund, denn die Summe der Schäden erreicht mit mehr als 474 Millionen Euro einen neuen Spitzenwert. Das ergab eine Erhebung des Verbraucherportals billiger.de. Einen Beleg erbrachte die Polizei Essen erst vor wenigen Tagen, als sie in einer europaweiten Razzia 440 Straftaten im Zusammenhang mit Autoklau nachweisen konnte – mit einem geschätzten Schaden von über drei Millionen Euro. Dabei erweist sich der Osten Deutschlands als besonders gefährdet. Vor allem grenznahe Orte wie Görlitz Frankfurt/Oder, Cottbus oder Aachen zeichneten sich als Hochburgen des Autoklaus aus, aber auch die deutsche Hauptstadt Berlin kann mithalten.

Trotz aller neuartigen Sicherungssysteme bleibt Deutschland für Autodiebe eine Art Selbstbedienungsladen. Im ostsächsischen Görlitz verschwanden, gemessen an der Anzahl der angemeldeten Kraftwagen und der bei der Polizei eingegangenen Diebstahlmeldungen, 616 Autos je 100.000 zugelassener Fahrzeuge (insgesamt 157 Straftaten). Damit liegt die Kommune im Städtevergleich satte 507% über dem Durchschnitt.

Auf dem zweiten Platz landet Berlin. Die Hauptstadt verzeichnete insgesamt 6.664 Diebstähle – keine andere deutsche Stadt hat mehr Straftaten aufzuweisen. Das „ostdeutsche Minenfeld“ für Autobesitzer wird durch folgende Zahlen verstärkt: Zwar verschwanden dort weniger Autos als in den alten Ländern, doch die Diebstahlquote liegt mit 176 zu 75 gestohlenen je 100.000 gemeldeter Autos fast 135 Prozent höher als im Westen. Und das liegt nicht nur an den ostdeutschen Städten. Von den Top 20 der gefährlichsten Landkreise liegen allein elf in Brandenburg und vier in Sachsen. Spitzenreiter ist dabei der zwischen Berlin und Cottbus gelegene Landkreis Dahme-Spreewald und der Landkreis Görlitz. Die erste von wenigen westdeutschen Ausnahmen bildet der Kreis Aachen.

In den USA, Kanada und England setzt die Polizei Köder- oder Lockvogel-Autos ein. Die präparierten Fahrzeuge können mit GPS-Tracking und Audio/Video-Überwachung fernüberwacht und gesteuert werden. Über einen Notausschalter kann die Polizei den Motor abschalten und die Türen verriegeln, um eine Flucht der Täter zu verhindern. In Deutschland kann die Polizei dies nicht machen, da es eine Verleitung zur Straftat darstellt, doch Privatpersonen können auch bei uns ihr Auto entsprechend präparieren. Bild: (c) Bobanny/Wikipedia

(c) Magazin Frankfurt, 2017