Theaterlegende Wolfgang Kaus ist tot

Nicht nur Frankfurter Theaterfreunde kannten die Theaterlegende Wolfgang Kaus. Ein Dritteljahrhundert lang leitete er das Volkstheater als Künstlerischer Leiter. Jetzt erlag der 82-jährige, der schon einige Zeit schwer nieren- und herzkrank war, wenige Tage vor seinem 83. Geburtstag in einem Krankenhaus einer Lungenentzündung. Das Volkstheater war sein Leben und wir werden den sympathischen Theatermann vermissen. Schon im vergangenen Jahr bangten seine Freunde um ihn. Mehrere Krankenhausaufenthalte in verschiedenen Kliniken, in einer davon fing sich der geschwächte Kauss sogar noch einen Krankenhaus-Keim ein. „Das Herz wird schwer, die Füße sind lahm“, hatte er damals den Kollegen von der Bild-Zeitung erzählt und sich gefreut, dass er dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen war. Jetzt war ihm das nicht mehr möglich. Kaus, der eng mit der Frankfurter Lokalreporterikone Jutta W. Thomasius befreundet ist, lebte mit dieser in einem Frankfurter Pflegeheim.Wir haben Kaus und Thomasius oft im Theater getroffen, doch auch als Autor hatte er unter anderem mit dem humorigen Band „Mensche gibt’s, all sinn se anners“ sein Publikum erreicht. Eigentlich hatte der junge Hofheimer einen ordentlichen Job machen sollen, schließlich war er gelernter Industriekaufmann, doch schon früh zog es ihn zur Bühne.

Nach Besuch der Schauspielschule in Wiesbaden hatte er Engagements an verschiedenen Frankfurter Bühnen, bevor ihm 1976 Liesl Christ als Künstlerischer Leiter an ihr Volkstheater holte. Er inszenierte Brecht, Frisch, Goethe, Kleist, übertrug Shakespeare, Molière, Goldoni und viele andere in die heimische Mundart und bekam dafür 2000 den begehrten Stoltzepreis und 2004 die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt. Einige große Erfolge gehen dort auf sein Konto, wie die "Anatevka" mit Tony Marshall, dessen fünfte Tochter damals die junge Helene Fischer mimte. "Helenchen", erinnerte er sich noch an das junge Talent. „Sie war ein nicht sehr auffallendes Mädchen. Aber sie war schon damals liebenswert und hatte eine eigene Aura. Jetzt ist sei ein Weltstar". Auch Ralf Bauer arbeitete gerne mit Kaus zusammen, angefangen mit Faust über Romeo bis hin zum Jedermann, bei dem er mit Helmut Markwort vor der Kulisse des Doms spielte. Ralf Bauer wird auch bei seiner Trauerfeier dabei sein und Goethe rezitieren.

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(c) Magazin Frankfurt, 2018