Schwarzfahrerhochburg Frankfurt

Im Jahr 2012 beliefen sich in Deutschland die Verluste an Ticketgebühren durch Schwarzfahrer bei den öffentlichen Verkehrsbetrieben und Taxi-Unternehmen auf rund 250 Mio. Euro. Über eine Viertelmillion Delikte wurden angezeigt. Jetzt soll die Politik handeln und das Bußgeld für Schwarzfahrer von 40 Euro auf 60 erhöhen, da laut Großer Koalition das bisherige Bußgeld nicht einmal die Kosten für die Kontrolleure deckt. Einen Ausgleich kann auch die geplante Erhöhung nicht bewirken, denn geht man weiter von einer Basis von rund 250.000 angezeigten Delikte aus, kämen damit nur rund 15 Mio. Euro Bußgeld-Einnahmen in die Kassen, rund 6 Prozent der durch Schwarzfahrer verursachten Kosten.

In welchem Ausmaß Schwarzfahren in Deutschland praktiziert wird, hat Reisen.de in einer großen Studie im Jahr 2013 in 80 der größten deutschen Städte überprüft. Hochburg ist danach Dortmund mit insgesamt 10.203 Schwarzfahrern und 1.756 Delikten je 100.000 Einwohner. Schon auf Platz zwei folgt unsere Mainmetropole. In Frankfurt kamen 10.656 Delikte zur Anzeige, was 1.541 Schwarzfahrten je 100.000 Einwohner entspricht. Platz drei belegt Karlsruhe mit einer Quote von 1.458 Delikten je 100.000 EW (absolut: 4.337).

Doch: Nicht jeder, der ohne gültiges Ticket fährt, tut dies aus Spaß. Vielmehr leiden auch in Deutschland Millionen Menschen unter Armut und können sich häufig schlicht den teuren Öffentlichen Personennahverkehr nicht mehr leisten. Als ab-in-den-urlaub.de 2011 in einer Studie die Ticketpreise in 130 deutschen Städten untersuchte, stellte man fest, das jede fünfte Stadt die Tickets für Bus und Bahn im Verhältnis zum örtlichen Einkommen und zur Strecken-Abdeckung zu teuer anbietet. Gerade im internationalen Vergleich zeigte sich, dass deutsche Städte dabei meist teurer sind als Weltmetropolen wie Tokyo, Paris und New York. Nur bei den Tagestickets schneiden die deutschen Städte oft günstiger ab.Frankfurt wird darin gelobt und landet trotz hoher Preise für Einzelfahrten im Mittelfeld. Die ehrlichsten ÖPNV-Fahrer leben nach der Studie in Moers mit 58, 55 Schwarzfahrern je 100.000 EW. Ob das an der Ehrlichkeit oder an der Kontrolle liegt?

Nach Recherchen von Reisen.de schwankt die Aufklärungsquote in Deutschland je nach Stadt und Region im einstelligen Prozentbereich. Dies bedeutet, dass rund 95% der Schwarzfahrter keine Anzeige bekommen und Millionen von Passagieren "für lau" von öffentlichen Verkehrsmitteln transportiert werden. Experten schätzen dadurch Einnahmeverluste von rund 250 Mio. Euro im Jahr. Die bei 60 Euro Bußgeld erhobenen 15 Mio. Euro wären nur ein "Tropfen auf den heißen Stein", wenn es nicht gelingt, die Aufklärungsquate deutlich zu erhöhen.

(c) Magazin Frankfurt, 2018