Tanaquil Le Clercq - Der Nachmittag eines Faun

Die Tänzerin Tanaquil Le Clercq war immer anders. In einer Zeit, in ihre Kolleginnen klein, kompakt und schnell waren, verblüffte sie mit langbeiniger Magerkeit. Ihren elegant durchtrainierten Körper setzte sie auf völlig neue Art ein, ihre Bewegungen waren "ein ausgestreckter Pfad zum Himmel!", wie einer ihrer Tanzpartner sagt. Damit bezauberte sie schon als Teenager den großen George Balanchine und prägte den Typ der modernen Primaballerina. Doch als Tanny 27 Jahre alt war, nahm ihr Lebenstraum ein brutales Ende. Eine Polio-Infektion fesselte sie für den Rest ihres Lebens an den Rollstuhl. Mit der Härte und Beharrlichkeit, mit der sie fürs Ballett trainiert hatte, nahm sie den Kampf mit der Krankheit auf. Die Ärzte sagten, sie würde kaum 40 werden. Tanaquil Le Clercq hat sie Lügen gestraft …

Die Regisseurin und Produzentin Nancy Buirski war sofort fasziniert, als sie erste Aufnahmen von Tanaquil Le Clercqs Tanz sah. Es war in einer Dokumentation über Jerome Robbins, Regisseur und Choreograph der Westside Story und Le Clercqs zweiter großer Bewunderer neben ihrem Ehemann George Balanchine. Eine tiefe Zuneigung verband die Ballerina Zeit ihres Lebens mit Robbins. Und es sind besonders die Briefe, die Tanny nach ihrer Erkrankung an ihn schrieb, die tiefen Einblick in ihre Persönlichkeit geben und auf die Buirski für ihre Dokumentation zugreifen konnte. Der Film beleuchtet die außergewöhnlichen Qualitäten dieser Ballerina im Leben und im Tanz. Durch ihre eigenen Worte und durch die Menschen, die sie kannten und liebten, fängt der Film Tanaquils Leidenschaft für das Ballett ein und ihre bewundernswerte Kraft im Angesicht ihres viel zu frühen Karriereendes durch eine Polio-Infektion.

(c) Magazin Frankfurt, 2020