Deutschboden

Vor vier Jahren erschien das Buch „Deutschboden. Eine teilnehmende Beobachtung“. Darin beschreibt der Journalist und Autor Moritz von Uslar seine Eindrücke der ostdeutschen Provinz. Drei Monate lang hielt sich der in West-Berlin lebende ZEIT-Redakteur in einer Kleinstadt in Brandenburg auf, um Land und Leute kennenzulernen. Das an der Oberhavel liegende Zehdenick, 60 km nördlich von Berlin hat 13.500 Einwohner. Er wollte „des Prolls reine Seele“ ergründen, sagte von Uslar und suchte deshalb extra eine „möglichst beschissene Kleinstadt“ im Wilden Osten der Republik aus. Nun erweitert André Schäfers Dokumentarfilm „Deutschboden“ das Buch um eine weitere Ebene. Zusammen mit dem Autor geht er in Zehdenick auf den Spuren der Orte und der Personen aus dem Buch. Schäfer bleibt dabei selbst völlig im Hintergrund und überlässt das Feld lieber von Uslar, der zu den Filmszenen passende Passagen aus seinem Buch vorliest. Regisseur Schäfer hatte dabei, wie viele Menschen in Deutschland, ein vorgefertigtes Bild von den jungen Männern aus den neuen Bundesländern – das er hier mit der Realität abgleicht. In Zehdenick sucht er nach vermeintlich alltäglichen Phänomenen wie Massenarbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, Alkoholismus und Rechtsradikalismus. Dieses Bild bestätigt sich nur zum Teil, denn er lernt bei Begegnungen mit Bewohnern auch die andere Seiten des ostdeutschen Alltags kennen: Grillfeste, Pils am Tresen, den Geschmack von Mettbrötchen und ehrlichen Humor.

(c) Magazin Frankfurt, 2018