Brüder/Feinde

Durch den Hitler-Stalin-Pakt fällt das seit 1918 unabhängige Estland 1939 an die Sowjetunion. Stalin reagiert schnell und lässt umgehend alle Reichen und Patrioten deportieren oder ermorden, viele junge Männer werden zur Roten Armee eingezogen. Nach dem Bruch des Paktes erobern 1941 die Deutschen das Gebiet und viele Männer treten nach den jüngsten Erfahrungen mit den Sowjets in die Wehrmacht ein, um gegen die Russen zu kämpfen. Als 1944 der deutsche Vorstoß bricht und die Rote Armee nachstößt, stehen sich auf heimischer Erde Esten auf beiden Seiten feindlich gegenüber. Karl kämpft bei der Waffen-SS während Jüri als Offizier in der Roten Armee dient.

Wie tausende ihrer Landsleute wollen die beiden jungen Esten den Krieg irgendwie überleben und ihr Schicksal steht exemplarisch für die Geschichte eines ganzen Landes das beinahe zwischen den Mühlen zweier Großmächte zermahlen wurde, hineingezwungen in einen Krieg, Bruder gegen Bruder, Vater gegen Sohn, bei dem es nichts zu gewinnen gab.

Ohne viel Pathos, dafür mit viel Realismus und Glaubwürdigkeit inszenierte der estnische Star-Regisseur Elmo Nüganen den teuersten estnischen Film aller Zeiten und sprengte an den Kinokassen alle Rekorde. Der Film braucht sich nicht hinter großen Hollywood-Produktionen verstecken, denn das spannende und packende Antikriegs-Drama hält auch von Ausstattung und Umsetzung den härtesten Kritiken stand. Blutige Schlachtszenen mit extra eingeflogenen russischen T34-Kampfpanzern lassen auch bei Actionfans Freude aufkommen.

(c) Magazin Frankfurt, 2020