Reichmann, Römer und Franken am Niederrhein

Normalerweise denkt man, wenn man den Namen "Franken" hört heute nicht unbedingt an den Niederrhein. Doch schon bei einem Bummel durch Köln trifft man allerorts auf fränkischces Erbe und sei es nur am Chlodwigplatz, wo man erinnert wird an den Frankenkönig aus dem Geschlecht der Merowinger, der nach einem Sieg gegen die Alamannen bei Zülpich zum Christentum übertrat. Ein wichtiger Schritt in der Machtpolitik des Begründers des späteren Frankenreichs, der Paris zu seiner Hauptstadt machte. Viele römische Quellen in Spätantike und Völkerwanderungszeit bezeichneten zuvor die Bewohner rechts des Niederrheins als Franken.

Ihr Verhältnis zu den Römern wird von den zeitgenössischen (römischen) Schriftquellen der Spätantike meist nur unzureichend und einseitig beleuchtet. Woher kamen sie? Die archäologische Forschung der letzten Jahre ergänzt die Frühgeschichte der Franken, zeichnet die Herrschaftsübernahme von den Römer bis zur Mitte des 5. Jhs. nach und bringt Licht in die Kontaktzone beider Völker. Der 64-jährige Christoph Reichmann grub lange im rheinischen Braunkohlenrevier die Überreste dieser Zeit aus und ist jetzt Leiter des Museums Burg Linn in Krefeld, wo er mit den Ausgrabungen des Gräberfeldes und Kastells von Gelduba (Krefeld-Gellep) eng verbunden ist.

In seinem Buch spürt er der fränkischen Frühgeschichte nach, die tief in die Vorgeschichte der einheimischen Stämme und hier bis zur Auseinandersetzung mit den Heeren des Augustus und den erfolgreichen Aufstand des Jahres 9 n. Chr. zurückführt. Der Leser durchstreift dabei fränkisches Siedlungsgebiet bis in die Niederlande, nach Niedersachsen und sogar bis an den Rand der Nordsee. Eine wichtige Rolle zwischen Römern und Franken spielte das römische Kastell Gelduba (Krefeld-Gellep) aufgrund seiner geostrategischen Lage am Rhein. Über 6.000 Gräber belegen hier den Wandel der Gesellschaft im Laufe der Spätantike und des frühen Mittelalters bei Übernahme durch die Franken.

(c) Magazin Frankfurt, 2018