Otter, Karkloof Blue

Charlotte Otter, die gebürtige Südafrikanerin, wohnt schon seit Jahren in Deutschland, schreibt aber immer noch in englischer Sprache. Die frühere Kriminalreporterin und Zeitungsredakteurin arbeitet heute in der IT-Branche und lebt mit ihrer Familie und Tonnen von Büchern in Heidelberg. Schon ihr Debüt "Balthasars Vermächtnis", den wir 2013 vorstellten nimmt den Leser mit auf die Recherchen der Journalistin Maggie Cloete in die Großstadt Pietermaritzburg der südafrikansichen Provinz KwaZulu-Natal.

Maggie ist inzwischen in der Welt herumgekommen und nimmt einen Job als Nachrichtenredakteurin in der Tageszeitung Gazette ihrer Heimatstadt an, wo sie prompt zwischen die Fronten widerstreitender Interessen gerät: Der Papierkonzern Sentinel versteht sich gut aufs Greenwashing und stellt sich als Wohltäter der Region dar. Daran ändern auch die Proteste einer Truppe von Umweltschützern nichts, zu denen Maggies Bruder gehört. Die Konzernleitung will nämlich den Sektor Karkloof 7 roden, ein unberührtes Waldstück und Refugium selten gewordener heimischer Arten, wie den titelgebenden Karkloof Blue.

Eigentlich war es Stammesland, doch mit den ursprünglichen Eigentümern hat man sich längst arrangiert. Überhaupt verfügt Sentinel über exzellente Beziehungen. Maggie argwöhnt, dass der Tod des für Sentinel tätigen Ökologen David Bloom nicht einfach der Selbstmord eines frustrierten Idealisten war, der die bedrohte Schmetterlingsart retten wollte. Aber ihre Vorgesetzte pfeift sie energisch zurück: Sie will in der Gazette keine schlechte PR für Sentinel sehen. Dann machen die Forstarbeiter bei der Vorbereitung der Rodung einen grausigen Fund. Maggie mobilisiert ihre alten Recherchekünste und bekommt den Zipfel einer Vorgeschichte zu fassen, die zurückreicht in die Zeit von Segregation und staatlich protegiertem Mord. Haben hier neue Seilschaften unbekümmert das blutige Erbe der alten angetreten? Aber auf Maggie Cloete wartet noch die vielleicht bitterste Überraschung ihres Lebens … Otter gelang wieder ein bitterböser, atemloser Politkrimi, den sie wütend und realitätsnah, glaubwürdig und geschmeidig erzählt. Herb in den Konsequenzen, von lebendigen Charakteren getragen und packend bis zur letzten Seite.

(c) Magazin Frankfurt, 2018