Todtmoos - Lebkuchen als Pilgerbrot

Blick auf Todtmoos

(c) Tourist-Information Todtmoos

Todtmoos Lebkuchen als Pilgerbrot

Das Dorf im Südschwarzwald liegt ein wenig abseits der Bundestrassen südöstlich von Freiburg im Breisgau, nur wenige Kilometer entfernt von Feldberg, Schluchsee und Titisee, den touristischen Highlights des Südschwarzwalds. Bis vor einigen Jahren war Todtmoos auch für Wintersportler ein beliebtes Ziel, doch der Klimawandel hat auch diese Region nicht verschont – heute sind viele Lifts außer Betrieb oder bereits abgebaut.

Wallfahrtskirche Todtmoos

(c) Tourist-Information Todtmoos

Pilgerreise zur Heiligen Mutter von Todtmoos

Pilger scheren sich um solche Einschränkungen nicht. Schon seit Jahrhunderten ist das Örtchen im Wehratal mit seiner Kirche ein beliebtes Wallfahrtsziel, denn die Legende über eine Marienerscheinung machte den Ort weit über seine Grenzen hinaus bekannt. Bereits im 15. Jahrhundert pilgerten die Menschen zu Zeiten der Pest-epidemie die rund 50 Kilometer von Freiburg und Basel hierher, um zur "Heiligen Mutter von Todtmoos" zu beten und auf ein Wunder zu hoffen. Offenbar mit Erfolg, denn in den Folgejahren wurde die Kirche immer wieder neu gebaut und vergrößert.

In der barockisierten Kirche fällt der Blick sofort auf das Gnadenbild über dem Hochaltar. Auf einem Thron sieht man dort die schmerzversunkene Pietà.

Nur die Häupter Marias und ihres dornengekrönten Sohnes sind zu sehen, während der Rest der Skulptur unter einem nach den Farben des Kirchenjahres wechselndem aufwändig verzierten Mantel die Schäden eines Brandes verdeckt. Auch heute finden noch regelmäßig Wallfahrten nach Todtmoos statt, die vor Ort von den Brüdern des polnischen Pauliner-Ordens betreut werden.

Neben dem steilen Anstieg zur Kirche findet man noch immer die alten Devotionalienstände, an denen in früheren Jahren Pilger Mitbringsel kaufen und sich verpflegten konnten. “Lebküchler“ nannte man damals die Einheimischen im Volksmund, weil sie dort geweihtes Pilgerbrot, den Lebküchen, verkauften, die honiggetränkte Spezialität des Ortes, die lange haltbar ist und bequem beim Laufen gegessen werden konnte.

Todtmooser Lebkuchen

(c) Tourist-Information Todtmoos

Das Geheimnis der Lebkuchen

Noch heute bietet unterhalb der Kirche das Café Zimmermann diese typischen Lebkuchen an. Das Rezept hütet Konditor Alexander Matt, der den Betrieb gerade von Vater Gerhard übernommen hat, nach wie vor wie seinen Augapfel. Nur so viel: sie sind fein gewürzt, leicht mit viel Honig gesüßt und lange haltbar. Alexanders Vorfahren, die dem Café seinen Namen gaben, betrieben einst die nahe Herrenmühle, die seit über 100 Jahren die Lebkuchen mit der einzelnen Mandel in ihrer Manufaktur entwickelten.

Beliebt waren sie nicht nur als Pilgerbrot, sondern auch als „Chrömli“, wie man die Mitbringsel nannte oder als Beleg für den Dienstherrn, dass man die Wallfahrt durchgeführt hat.

Heimatmuseum Todtmoos

(c) Anja Keller, Tourist-Information Todtmoos

Brauchtum im Heimethus

Einen guten Einblick in die Geschichte vermittelt das Heimethus, das fast ab Professor Brinkmanns Haus in der beliebten TV-Serie „Schwarzwaldklinik“ erinnert. 1991 übernahm man dafür ein über 250 Jahre altes schindelgedecktes Schwarzwaldhaus mit seinen traditionellen in Ständerbauweise errichteten Firstsäulen und richtete es mit Hilfe der Bürger mit zahlreichen Objekten der Alltagskultur aus den vergangenen Jahrhunderten ein. Die Sammlung zeigt Werkzeuge der Drechsler und Schnefler, der traditionellen Schnitzer der Schindeln, aber auch der Lebkuchenhändler und der Heimarbeiter der Textilherstellung.

Doch auch für Agnostiker lohnt der Besuch in Todtmoos. Seine Abgelegenheit sorgt für gute Luft. Als heilklimatischer Kurort bietet er mildes Reizklima, reine Luft, wenig Nebel und angenehm frische Temperaturen an Hochsommertagen aus. Wen der kräftige Niederschlag nicht stört, findet rund um Todtmoos und seine Ortsteile ausgezeichnete Wandermöglichkeiten.

Auf dem Lebküchlerweg

(c) Tourist-Information Todtmoos

Unterwegs auf dem Lebküchlerweg

Wir haben uns dabei auf einen der Schwarzwälder Genießerpfade begeben, der die kulinarische Tradition aufgreift: den Lebküchlerweg, der über die schönsten Pfade zu den lauschigsten Plätzen rund um Todtmoos führt und dabei erstklassige beschildert wurde.

Das Deutsche Wanderinstitut hat ihn kürzlich als Premium-Wanderweg ausgezeichnet. Wer ihn gemütlich geht, schafft die 12 Kilometer mit ihren leichten bis mittleren Steigungen über insgesamt 540 Meter bequem in fünf Stunden und kann auf halber Strecke an Hochkopfhaus zum Auerhahn einkehren. Von Todtmoos führt der Weg durch die Rabenschlucht und die Wälder des Kirchbergs vorbei an Aussichtspunkten oberhalb des Schwarzen Felsen und der Rudolf-Jordan-Hütte bis sich der Wald lichtet und es über Wiesenwege zum Ortsteil Lehen geht. Über die 400 Jahre alten Weidbuche gelangen wir zum Hochkopfhaus, von dem nach der Mittagspause der Weg nach Osten dreht und auf dem Panoramaweg mit einem weiten Blick auf die Berge des Berner Oberlands zu den gemütlichen Himmelsliegen führt, auf denen man etwas entspannen kann.

Auf dem urigen Waldweg geht es dann vorbei am Liebfrauenbrunnen und weiter zum Rüttepavillon, von dem der Weg weiter über Stege und Brücken durch eine kleine Schlucht hinab in den idyllischen Ortsteil Rütte und zum Todtmooser Wasserfall führt. Vorbei an der Stricker Kapelle ist man dann bald wieder zurück in Todtmoos.

Todtmoos ist auch ein idealer Ausgangsort für Ausflüge nach Freiburg und Basel mit ihren Kirchen und Museen. Zwar bieten die Hotels vor Ort für die Kurtaxe von € 2,10 die Konus-Karte an, die freie Fahrt im ÖPNV gewährt, doch die Busverbindungen sind wenig attraktiv.

Ausritte zu Pferde

(c) CC0 via Pixabay

Wandern hoch zu Ross

Ein spezielles Angebot für erfahrene Reiter bietet Chantal Walther. Die 40-jährige lebt mit ihren Pferden in Todtmoos und veranstaltet übers Jahr verteilt mehrere Mehrtagestouren hoch zu Ross. Doch auch für Halbtagestouren oder Tagestouren in der Umgebung von Todtmoos kann man sich anmelden. Die Preise liegen zwischen 75 für die Halbtagestour in der Gruppe bis zu 350 Euro für den ganzen Tag für Anfänger mit Betreuung.

Blick vom Panoramaweg auf den Südschwarzwald

(c) Tourist-Information Todtmoos

Preisinformationen Todtmoos

Beim Essen spürt man in den meisten Restaurants die Nähe zur Schweiz. Zürich ist nur 85 Kilometer entfernt, Basel knapp 50 Kilometer. Die meisten der Kennzeichen der Wochenendgäste in führenden Hotelbetrieben wie dem Schwarzwald Gasthof Rößle kommen aus dem Nachbarland, das trotz der gestiegenen Preise die kostengünstigeren Preise in den Restaurants gerne nutzt. Zwar finden sich nach wie vor gute traditionelle Betriebe, wie das Landgasthaus Sternen, in dem Wirtin Monika Schnabel köstliche regionale Produkte, die mit heimischen Wald- und Wiesenkräutern veredelt wurden, zu Preisen unter 15 Euro anbietet, doch meist liegen die Preise in anderen guten Betrieben, wie dem Gasthof Rößle oder dem Romantischen Schwarzwaldhotel mit seiner estklassigen Küche meist über 25 Euro für ein Hauptgericht.

Bei den Unterkünften sollte man sich überlegen, ob man eine der vielen Ferienwohnungen buchen möchte oder lieber ein Zimmer in einer Pension oder einem der Hotels bezieht. Sowohl bei Ferienwohnungen, Pensionen und Hotels kommt die örtliche Kurtaxe in Höhe von € 2,10 pro Person und Nacht dazu, bei Ferienwohnungen zahlt man meist zusätzlich für Handtücher und Bettwäsche. Die Übernachtungspreise für Pensionen, Gästehäuser und Landgasthäusern liegen bei 30 bis 35 Euro, die der 3-Sterne-Hotels bei 48 Euro und der 4-Sterne-Hotels bei 62 Euro jeweils pro Person und Nacht und inklusiv Frühstück bei Vermittlung über das örtliche Tourismusbüro. Bein Buchungen über eines der Buchungsportale bekommt man aber oft kurzfristig günstigere Last Minute-Preise. Ferienwohnungen lohnen besonders für einen längeren Aufenthalt. Die Preise schwanken je nach Ausstattung zwischen 30 und 80 Euro pro Nacht.

Informationen:
Tourist-Information Todtmoos
Wehratalstraße 19 (in der Wehratalhalle)
79682 Todtmoos
Tel.: +49(0)7674 / 90 60-0
Fax: +49(0)7674 / 90 60-25
eMail: info@todtmoos.net

(c) Magazin Frankfurt, 2017