Bezness - das grausame Geschäft mit der Liebe

In den Süden

(c) Pierre Milon / Alive - Vertrieb und Marketing/DVD

Bezness - das Wort leitet sich vom englischen Wort Business ab und steht für enttäuschte Urlaubsliebe und verletzte Gefühle. Und für das Geschäft, das man als Gigolo damit machen kann. Wie schön, wenn man jetzt im Herbst noch ein paar Sonnentage erleben kann. Doch wie oft und wie dreist sich Menschen gerade im Urlaub ausnutzen lassen, wenn der Preis dafür Aufmerksamkeit und Liebe ist, zeigen immer mehr Beispiele.

Bezness boomt – und hat sich vor allem in der Türkei und nordafrikanischen Urlaubsländern, sowie in der Karibik und Brasilien ausgebreitet. Reiche Europäerinnen sind eine neue Einkommensquelle für Männer aus ärmeren Ländern, vor zwölf Jahren eindrucksvoll dargestellt im Film "In den Süden" mit Charlotte Rampling. Den Frauen geht’s um Liebe, den Männern ums Geld. Frauen, die denken, sie seien davor gefeit davor, erleben oft ein böses Erwachen, mahnt der Privatdetektiv Tamer Bakiner. Doch nicht nur an den Sonnenzielen sind Männer auf der Suche nach reichen Frauen, denen sie Liebe vorgaukeln und sie hinterher wie eine Weihnachtsgans ausnehmen. Auch in der Schweiz und Österreich und sicherlich auch in Deutschland kann es passieren. Ein Lied davon kann auch die selbstbewusste Unternehmerin und Milliardärinnen, die BMW-Erbin Susanne Klatten singen, die vor rund zehn Jahren in eine solche Liebesfalle stolperte. Die als extrem verschwiegen geltende Frau, die über ihr Privatleben zuvor nie etwas verlauten ließ, wurde nach einer sexuellen Affäre Opfer eines Erpressungsversuchs. Dabei hatte ihr sehr gepflegt auftretender Erpresser die Aufgabe, sich in Hotelbars an reiche Frauen heranzumachen und schaffte es nach Auskunft der Ermittler bei drei deutschen Damen, sich deren Vertrauen zu erschleichen und intime Beziehungen aufzubauen. Auch die Quandt-Erbin Klatten gehörte dazu. Was Klatten und die anderen Frauen nicht wussten: Ab dem ersten Intimkontakt in Hotelzimmern lief die Videokamera mit, deren Aufnahmen später zur Erpressung dienten. Nicht immer war deren Einsatz notwendig, oft half auch eine mitleiderregende Geschichte.

Wie bei Susanne Klatten, die so sieben Millionen Euro gab. Auch bei den anderen Opfern lagen die Zahlungen im sechs- bis siebenstelligen Bereich. Zum Teil wurde den Frauen auch massiv gedroht. Für Susanne Klatten war die Forderung nach 14 weiteren Millionen der Zeitpunkt, trotz dem damit verbundenen öffentlich machen, das viele Opfer aus Scham vermeiden wollen, die Polizei einzuschalten. An der vorgesehenen Übergabestelle wartete dann statt Susanne Klatten auch die Polizei auf den smarten aber kriminellen Verführer.

Tamer Bakiner kennt einige solcher Fälle: „Eine Frau im mittleren Alter, unglücklich verliebt, Single oder geschieden, reist ins Ausland. Ein charmanter junger Mann lädt sie ein und sie fühlt sich geschmeichelt. Er könnte ja fast ihr Sohn sein! Und sie tappt in die Liebesfalle.“ Vor kurzem deckte der Privatdetektiv einen spektakulären Fall auf, bei dem eine Deutsche in der Bar ihres ägyptischen Hotels angesprochen wurde. Sie war dort Stammgast und Barkeeper und Reiseleiter wussten über ihre heimischen Lebensverhältnisse und ihre Vorlieben Bescheid und nutzen die Informationen, um den passenden Beznesser zu finden, der „zufällig“ zur selben Zeit im Hotel wohnte. So schnappt die Falle zu. Sie verliebt sich, hofft auf die große Liebe – und er aufs große Geld. Erst als es um eine fünfstellige Summe geht, wittert die Frau den Betrug und schaltet den Detektiv ein.

Bakiner schleuste sich in die Szene ein, kontaktierte den Beznesser, der ihm die besten Tipps verrät, wie das Geschäft läuft und wie man sein Leben organisieren muss, um glaubhaft zu wirken. Oft unterstützen Freunde und die Familie dieses böse Spiel, das er seine "Investition" nennt und damit schließlich auffliegt.

Bezness ist auch Thema in der nächsten Ausgabe von Aktenzeichen XY ... ungelöst am 4.Oktober 2017 im ZDF.

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