Landidylle in der Vulkaneifel und an der Mosel

Meerfelder Maar

(c) Michael Ritter

Landidyllische Reise in die Vulkaneifel und an die

Als im ausgehenden 18. Jahrhundert in Deutschland die Romantik aufkam, wendete man sich ab von der Antike und klassischen Vorbildern und suchte stattdessen Anregung aus der eigenen Kultur und Geschichte. Gut so, denn man hatte reichlich davon und besann sich deshalb erneut auf alte Sagen und Mythen.

Während in den Städten die Industrialisierung immer stärker fortschritt, suchten und entdeckten die Romantiker die pittoresken Landschaften. Es ging um Gefühl, Leidenschaft, Individualität und individuelles Erleben.

Solche Romantik zieht auch im 21. Jahrhundert. Zwar haben sich die Trends vervielfacht und jeder hat die Möglichkeit aus einem bunten Strauß an Angeboten zu wählen, doch nach wie vor genießt Romantik bei vielen Menschen einen hohen Stellenwert. Das ging auch an den Touristikern nicht vorbei, die den Begriff 1971 für eine Kooperation von im weitesten Sinne „romantischen Hotels“ wählten.

land leben!

(c) Landiylll Hotels

Die Landidyll-Hotels

Auch das „Idyll“ passt gut in dieses Bild, denn der Begriff bedeutet ursprünglich „Bildchen eines harmonisch verklärten ländlichen Lebens“ – eine Postkartenidylle zuzusagend, die störende Elemente einfach ausblendet.

Eine solche „heile Welt“ möchten die Landidyll-Hotels ihren Gästen bieten. Die traditionellen familiär geführten Hotels auf dem Land richten sich nach der Philosophie „land leben!“ aus. 1987 wurde die Hotelkooperation aus Drei- und Viersterne-Hotels gegründet und suchte sich als Mitglieder passende Häuser in den schönsten ländlichen Regionen Deutschlands. Dort können die Gäste herzliche Gastlichkeit und Authentizität erleben. Dabei achtet man darauf, dass jedes Hotel seine eigenen Stärken mitbringt. Allen gemein: Stets soll der Mensch – egal ob Gast, Mitarbeiter oder Geschäftspartner - im Mittelpunkt stehen. Nur so erreicht man ein Maximum an Zufriedenheit, Sicherheit und Zuverlässigkeit.

Wir sind auf die Suche gegangen in der Vulkaneifel und an der Mosel und haben dabei einige der liebevoll und komfortabel ausgestatteten Wohlfühl-Landhotels, die Natur und Gastronomie in regionaltypischem Ambiente und mit besonderer Atmosphäre in Einklang bringen, besucht.

Gefunden haben wir dabei zwei Betriebe, in denen Umweltbewusstsein und eine nachhaltige Lebens- und Arbeitsweise den Betreibern wichtig sind, weshalb sie ökologisch arbeiten und durch Schulung und Aufklärung darauf achten, dass auch die Mitarbeiter ihre Handlungen an diesen Vorgaben ausrichten. Die beiden Landidyll-Hotels im Westen des Landes ermöglichen es ihren Gästen, die Region per pedes zu erkunden.

NaturPurHotel Maarblick

(c) Michael Ritter

Das NaturPurHotel Maarblick

Die Fische des Meerfelder Maars

(c) Michael Ritter

Das NaturPurHotel Maarblick liegt in Meerfeld inmitten der Natur. Von der Autobahn A 1 ist es über das malerische Städtchen Manderscheid mit seinen zwei eindrucksvollen Burgruinen schnell erreicht. Der Ort zählt zu den schönsten Dörfern der Vulkaneifel und liegt heimelig im größten Maarkessel der Eifel, der mit einem Durchmesser von 1500 mal 1200 Metern und dem 200 Meter hohen umgebenden Wall beeindruckt. Den Maarkessel teilt sich der kleine, fein herausgeputzten Ort mit dem Maarsee, der zusammen mit den Wiesen an seinem Rand zum Teil unter Naturschutz steht, um die dort lebenden seltenen Wasservögel und Pflanzen wie Seerosen und Seggen zu schützen. Doch auch Badefreunde und Angler kommen am See und der nahen kleinen Kyll auf ihre Kosten.

Da ist es naheliegend, dass das Gesundland Vulkaneifel hier einige Mitglieder hat, die sich als Qualitätsgastgeber „Wanderbares Deutschland“ der Gesundheit ihrer Gäste angenommen haben. I

Irina Weiler und ihr Mann Frank haben einen Hotelbetrieb aufgebaut, der neben den Anforderungen an ein Landidyll-Hotel noch eine Reihe von anderen Anforderungen genügt. Naturfreunde finden die verschiedenen Qualitätssiegel rund um die Rezeption.

Der Gast kann sich in dem behaglichen Hotel ganz wie zu Hause fühlen – nur das ihm die dort anfallenden Arbeiten von den guten Geistern des Hauses abgenommen werden. Rund ums Hotel laden weitläufige Rad- und Wanderwege ein, die Natur zu erkunden. Sowohl der Kosmosradweg wie die Vulkanmaar-Pfad, eine Schleife des Eifelsteiges, liegen direkt vor dem Hoteleingang und auch de entlang des gleichnamigen Flüsschens zur Mosel führende malerische Lieserpfad ist schnell erreicht.

Moselwein aus Luxemburg

Moselwein aus Luxemburg

(c) Michael Ritter

Naschwerk und erstklassige Schoppen

Auch Feinschmecker sind in dem Haus gut aufgehoben. Das fängt schon mit den unglaublich leckeren Torten an, an denen man beim Check-In quasi vorbeischlendert. Das leckere Naschwerk ist das Resultat der langjährigen Arbeit von Chefin Irina in Confiserien im In- und Ausland. Dort konnte die Konditormeisterin ihre Kunst zur Perfektion ausbauen. Die hausgebackenen Spezialitäten auf Basis selbstentwickelter Rezepte verarbeiten Zutaten aus biologischem Anbau und achten durch maßvollen Einsatz von Zucker und der Verwendung von Vollkornmehl auf die Gesundheit der Schlemmer, ohne den typischen, lecker-fruchtigen Geschmack einzubüßen.

Allwöchentlich stehen auch hausgemachte Pralinen und Trüffel auf Irinas Agenda und wer die frisch zubereiteten “Eifelhexen”, “Lavabömbchen”, “Schlehenfeuer” und “Nelchesbirnchen” mit regionalen Edelbränden und feinsten Likören probiert, wird sich schwer tun, den damit verbundenen Kalorien Paroli zu bieten, denn deren fluffiges Canache-Herz verbindet ein fein-ausgewogenes Netz von verschiedenen Aromen mit dem glücklich machenden Geschmack von frischer Butter, Sahne und edler Kuvertüre.

Doch nicht nur das Schlemmer Café macht glücklich. Auch Frank Weiler verköstigt seine Gäste entweder am einladend gedeckten Tisch im Restaurant oder auf der schönen Südterrasse. Der Hotelbetriebswirt ist auch gelernter Koch, der Althergebrachtes neu definiert. Anders als sein Bruder Udo, der nach der Ausbildung und Jahren in der Sternegastronomie im Hirschen in Sulzburg als erstklassiger Handwerker und Organisator den Ruhepol in der Küche seiner Frau Douce Steiner bildet – immerhin Deutschlands mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete beste Köchin - kann Frank die süßen Verführungen seiner Frau Irina im Cafe mit leichter Naturküche aus frischen regionalen Zutaten ausgleichen. Neben Fleisch aus der Eifel stammen viele Zutaten aus biologischem Anbau und auch Vegetarier, Veganer oder Anhänger einer laktose- und glutenfreien Kost werden bei ihm kenntnisreich verköstigt.

Dabei ist die Palette breit: neben saftigen Steak stehen auch deftige Eifeler Spezialitäten, wie “Döppekooche” oder “Hövelchen op Fleesch” bei den Gästen hoch im Kurs. Doch auch knackige Salate und mediterrane Gerichte finden immer ihre Abnehmer. Viele Hausgäste wählen aber das abendliche 4-Gänge-Landidyll-Menü, bei dem stets die Wahl wischen Fleischgenuss und vegetarischen Freuden besteht.

Man merkt es Frank Weiler an, dass er ein Weinliebhaber ist. Zwar erwartet man in der Eifel eher Bier, doch die Mosel liegt quasi vor der Haustür und seine Weinkarte verzeichnet einige ihrer besten Winzer – nicht nur aus Deutschland. Mit Weinen vom Chateau Pauque hat er sich Weine des „Enfant terrible“ der luxemburgischen Winzerszene in den Keller gelegt. Abi Duhr ist berühmt für seinen Pinot Gris und Riesling. Großartig sein Riesling Vielles Vignes, eine gekonnte Kombination deutscher Stilistik mit französischer Eleganz, die Duhr mit einer dicken gelben Wachskappe verschließt. Doch auch vernünftig kalkulierte Weine deutscher Spitzenwinzer wie Markus Molitor finden sich auf der spannenden Weinkarte.

Schon seit 1999 beteiligt sich Weiler am Wettbewerb für das „Haus der besten Schoppen“, bei dem Moselwein Gastronomen auszeichnet, die im offenen Ausschank die besten Weine anbieten. Das Weingut von Hubertus Apel in Nittel ist mit seinen Wein regelmässig dabei und steht auch auf der Karte der offenen Weine bei Weiler, der schon von Anfang an als „Haus der besten Schoppen“ prämiert wurde, 13 mal für die Siegerweine auf seiner Weinkarte und nach dem dritten Platz im Vorjahr in diesem Jahr auf dem begehrten ersten Platz unter allen Gastronomen – ein hervorragendes Ergebnis für ein Restaurant außerhalb der Weinbaugemeinden.

Liesersteig

Lieserpfad 7

Wandern und Wellness

Wanderung Vulkaneifel

(c)Michael Ritter

Doch abgesehen von tollen Wein, guter Kost, Wellnessangeboten mit Massage, Fasten-. Ayurveda- und Detoxkursen und den vielfältigen Arrangements, die das Hotel zu einem Geheimtipp für den Eifelurlaub machen, steht Wandern für viele Hotelgäste im Vordergrund.

Die Eifelaner sind überzeugt davon in einer therapeutischen Landschaft zu leben, deren Natur eine heilsame Wirkung auf Körper und Geist haben kann und besonders die mentale Gesundheit und das Wohlbefinden fördert. Möglichkeiten diese Wirkung durch eine Art Wald- und Naturbaden auszuprobieren, gibt es jede Menge.

Mit Karl Weiler, steht mir als Wanderführer ein echter Meerfelder und ein wahrer Kenner der Natur zur Seite. Knapp 30 abwechslungsreiche Wanderungen von Halbtagstouren bis zu mehrtägigen Wanderungen bieten sich rund um Meerfeld an, mehr als genug sogar für einen längeren Aufenthalt. Wir entscheiden uns für eine kurze zweieinhalbstündige Runde vom Hotel den Wall des Maars empor zum Aussichtsturm Landesblick und rund ums Maar zurück zum Hotel.

Auf der Tour lerne ich auf gut markierten Wegen, die man auch selbst finden kann, zahlreiche Kräuter und Pflanzen kennen, die Mensch und Tier schon seit Urzeiten helfen, krank machen oder ernähren. Ein wichtiger Faktor für ihren Erhalt seien die vielen Insekten, die uns auf der Wanderung begleiten. In seiner Freizeit baut Karl zusammen mit den Kindergruppen, die er betreut zahlreiche Insektenhotels, um ihnen eine sichere Unterkunft zu bieten. Immer wieder ist er als Wanderführer mit kleinen Gruppen unterwegs und zeigt mir vom Landesblick mit seinen fantastischen Vulkaneifel-Panoramen die lohnendsten Wanderziele in der Umgebung.

Wandern kann man fast das ganze Jahr über, den schlechtes Wetter gäbe es nicht, höchsten die verkehrte Kleidung. Doch auch im Falle von Regen, der uns glücklicherweise verschont, obwohl er wenige Tage zuvor für schwerwiegende Überschwemmungen und Verwüstungen in einigen Orten der Region gesorgt hat, ist unser Hotel gut ausgestattet und bietet einen Trockenraum für feuchte Kleidung an. Auch Wanderer, die kurzfristig ein Bett für die Nacht benötigen, werden nicht abgewiesen und wer von Hotel zu Hotel wandern will, kann sein Gepäck zur nächsten Bleibe transportieren lassen.

Einer der schönsten Wanderwege, nach Ansicht des Journalisten und Wanderpapst Manuel Andrack sogar der „schönste Wanderweg der Welt“, ist der Lieserpfad. Vom nahen Manderscheid führt er in je zwei 4 bis 7-stündige Tagesetappen über Daun bachaufwärts nach Boxberg im Norden oder flussabwärts über Wittlich nach Lieser an der Mosel. Auf seiner Strecke bietet er fernab vom Alltag und Straßenlärm die Möglichkeit die Eifel und die anregende Kraft der Natur zu genießen und den Kopf freizubekommen.

Dabei schuf sich das Wasser der Lieser kraftvoll einen Weg durch die vulkanisch geprägte Landschaft. Parallel zum Fluss bietet sich dem Wanderer eine abwechslungsreiche Etappe mit schmale Pfade und breite Wege, über Brücken, hinauf und hinab vorbei an Maaren, Burgen und Mühlen. Die wunderschöne Umgebung lädt dazu ein bewusst langsam zu reisen und die ursprüngliche Kraft der Erde zu spüren. Dabei bieten Bänke an friedlichen Plätzen dem Wanderer die Gelegenheit, die müden Füße auszuruhen und mitgebrachten Proviant zu verspreisen. Die gesamte Strecke führt über 74 Kilometer.

Karl Weiler erklärt die Pflanzen

(c) Michael Ritter

Blick auf die Marienburg

(c) Michael Ritter

An der Mosel

An der Mosel

(c) Michael Ritter

Ein paar Meter moselabwärts liegt Schloss Lieser, das sich in den 1880ern ein Industrieller im Stil des Historismus errichten ließ und in dem auch Kaiser Wilhelm II. Anfang des letzten Jahrhunderts gern zu Gast war. Seit einiger Zeit wird das schmucke Schloss zum Luxushotel umgebaut, doch nach einem Fest im Frühjahr 2018 mit Deutschlands bestem Küchenchef Harald Wohlfahrt am Herd, hat es dort erneut einen Betreiberwechsel gegeben. Nach einigen Arbeiten im Hotel ist ein neuer Eröffnungstermin für 2019 geplant. Termin offen. Doch wir suchen nicht Luxus, sondern eine angenehme Wohlfühlatmosphäre.

Moselabwärts fahren wir vorbei an einigen der bekanntesten Moselwein-Orte wie Bernkastel-Kues, Zeltingen, Ürzig und Traben-Trabach nach Pünderich. Die örtliche Toplage Pündericher Marienburg ist einzigartig, denn die namensgebende Burg befindet sich auf einem schmalen Grat einer von der Mosel umflossenen Halbinsel.

Keine 300 Meter Luftlinie sind es, doch die Mosel wird zu 14 Kilometer Umweg über Zell mit seiner Schwarzen Katz gezwungen. Von oben bietet sich ein toller Ausblick auf die Weinorte Alf, Neef, Bullay, Zelll, Briedel und Pünderich. Schon vor über 1.000 Jahren stand dort eine Burg, 1146 folgte ein Kloster der Augustinerinnen, das 1515 aufgelöst wurde. Im Barock wurde die Marienburg neu errichtet und zeigt Überreste der Vorgängerbauten. Heute ist dort ein Gäste- und Tagungshaus mit Jugendbildungsstätte des Bistums Trier untergebracht.

Familie Burch

(c) Landidyll Hotels

Landidyll Hotel "Zur Marienburg"

Steilhänge an der Mosel

(c) Michael Ritter

Unser Gasthof trägt den Namen der gegenüberliegenden Burg „Zur Marienburg“. Der malerische Ort in idyllischer ruhiger Lage ist ein erstklassiges Quartier für Ausflugsfahrten entlang der Mosel. Auch die vielen kleinen örtlichen Winzerbetriebe machen den Standort außergewöhnlich. Rötlich weicher Devonschiefer dominiert die Südlage „Pündericher Marienburg“ mit ihrem hohen Gehalt an Eisenoxyd, die den klassisch-eleganten Weinen schon in ihrer Jugend delikate Fruchtaromen und eine weiche geschmeidige Fülle verleihen. In ihrer Reifephase findet man in den filigranen Weinen mit dem ausgezeichneten Reifepotential oft Röstaromen nach Mokka und Kaffee.

Familie Burch liegt die Gastronomie im Blut. Das merkt man, wenn man im großen Restaurant oder der schönen Terrasse Platz nimmt. Schon Großvater Rudi machte vor Jahrzehnten gute Wurst und kochte in dem der Metzgerei angeschlossenen Gasthof eine deftige Küche. Inzwischen zeichnet sein gleichnamiger Enkel für den Betrieb verantwortlich. Die Metzgerei hat der inzwischen 51-jährige aufgegeben und zusammen mit Frau Andrea und den nach der Ausbildung nach Pünderich zurückgekehrten Töchtern Stefanie und Maria an Stelle des alten Gasthofs ein modernes Hotel errichtet.

Drei Millionen Euro haben die Burchs darin investiert und wer durch die Fotobücher blättert, kann verfolgen, wie sie den Altbau Schritt für Schritt abgebaut und mit jeder Menge eigener Hände Arbeit in ein zauberhaftes 22 Zimmer Hotel mit Restaurant verwandelt haben.

Während Tochter Stefanie für das Hotel zuständig ist, hat die charmante Maria, die zuvor Restaurantfachkraft gelernt hat und Weinkönigin von Pünderich war, die Leitung des Restaurants übernommen. Vater Rudi steht in der Küche und Mutter Andrea springt ein, wenn Not am Mann ist. Mit dem schicken modernen Hotel haben sie sich nicht nur einen Traumerfüllt, sondern auch eine Lücke gefüllt, die vor allem urbane Gäste bisher von einem Moselbesuch abgehalten hat. Das machte sich schnell bei den guten Buchungszahlen bemerkbar und auch auf dem Parkplatz hinter dem Hotel. Dass passte auch gut zusammen mit dem Leitbild der Landidyll-Hotels, die das neue Haus sofort begeistert in ihrem Kreis aufnahmen.

Doch nicht alle Pündericher waren mit Burchs neuem Konzept glücklich. Verständlich, denn jetzt müssen sie für Wurst und frisches Fleisch einige Kilometer fahren. Das Restaurantambiente hatte die Familie modernen Standards angepasst doch die Art der Küche blieb erhalten: regional, frisch und lecker.

Restaurant Marienburg

Restaurant Zur Marienburg

(c) Landidyll Hotels

Vor der Metzgerei zum Wohlfühl-Hotel

Zimmer im Landidyll Hotel Zur Marienburg

(c) Landidyll Hotels

Das warme Interior Design der Lobby, des Restaurants und der großzügigen, lichtdurchfluteten Zimmer will die schöne Landschaft einbinden und - wie Stefanie Burch betont - „die Mosel in die Zimmer holen." Bei den Farben hat man grau (wie der Schiefer) und grün (wie die Weintrauben) gewählt und den Zimmern die Namen von Weinbergslagen gegeben. Kulinarisch sind die Gerichte moseltypisch regional mit deftigen Klassikern aus Opas Küche wie Wildschweinsauerbraten oder „Moseltraum“, gebratenen Saumagen mit hausgemachter Blut- und Leberwurst auf Riesling-Gräwes, einer regionalen Spezialität aus Kartoffeln und Sauerkraut. Doch auch Freunde von Steaks aus der Eifel und Vegetarier und Veganer kommen in der vorzüglichen Küche des Restaurants voll auf ihre Kosten. Maria kann zu jedem Gericht stets einen passenden Wein empfehlen. Für die Gäste bietet das Haus ein gelungenes Rundum-Paket mit geführten Wanderungen, Ausfahrten mit einem Oldtimer und Themenmenüs an.

Pünderich ist durch den Bau der Umgehungsstraße ein ruhiger Ort. Nur ab und zu fährt ein Traktor durch den Ort und Gäste fühlen sich willkommen. Mit Hilfe von „Freifunk“ stellt der Ort den Gästen ein frei verfügbares Wlan im ganzen Ort zur Verfügung.

So viel Gastfreundschaft ist nicht überall an der Mosel der Fall. Mit einer kleinen Fähre gelangen Winzer und Wanderer auf die andere Seite der Mosel mit den Weinbergen. Treppen führen hinauf in die Steillagen und den Anstieg begleiten bunte Blumen am Wegesrand und Schmetterlinge, die von Blüte zu Blüte flattern.

Auch die Burchs haben dort ihre Weinreben und was Maria davon in vinifizierter Form einschenkt, ist von erstklassiger Qualität und man würde sich wünschen, den Wein auch außerhalb des Restaurants zu bekommen. Doch Wein ist für Burch nur ein Nebenprodukt für die Gäste seines Hotels. Sonst würde der Weinbau zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Der drahtige 51-jährige erinnert sich noch an seine Kindheit, als sein Opa Rudi die ganze Arbeit ohne mechanische Hilfe erledigte. Auch das Schlachten hat er von ihm von der Pike auf gelernt und er begleitete ihn oft, wenn er zu den Bauern fuhr, um Rinder oder Schweine zu schlachten.

Riesling-Kartell

(c) Deutsches Wein Institut

Das Pündericher Riesling-Kartell

Riesling Kartell Wein)

(c) Riesling-Kartell

Erstmals bewusst aufgefallen ist mir der kleine Weinort Pünderich übrigens wenige Monate vor meinem Besuch auf der Weinmesse in Düsseldorf, wo das Deutsche Weininstitut „Germany’s Coolest Wines“ ausgezeichnet hat. Gewinner der Online-Abstimmung wurde die „Kartell-Cuvée“ des Riesling-Kartells von der Mosel. Und woher kam dieses Riesling-Kartell, das mit Verbrecherfotos für seine Weine und Weingüter warb? Aus Pünderich. Um was es sich dabei handelt? Nach eigener Auskunft um einen „Zusammenschluss stolzer Jungwinzer, die hervorragende berauschende Substanzen (genannt Riesling) im großen Stil anbauen. Ziel des Kartells ist die Monopolisierung des Weinmarktes und die Eroberung der Weltherrschaft. Bei den sechs Mitgliedern handelt es sich um Enthusiasten vom Feinsten, die auch vor den steilsten Steillagen nicht halt machen um dort hochwertigen Riesling zu ernten. Die Mitglieder des Kartells befinden sich derzeit im offenen Vollzug und präsentieren ihre Ware. Das Kartell lädt Sie ein.......lernen Sie die Winzer sowie deren Weine im tollen Ambiente kennen.“

Die Gruppe junger Winzer besteht aus Markus Busch, Johannes Busch, Nico Simonis, Tobias Dahm, Dominik Busch und Matthias Lay und konnte die meisten der über 8.500 abgegebenen Stimmen aus dem In- und Ausland auf sich vereinen. Sie wurden nach einer verdeckten Verkostung und Beurteilung einer unabhängigen Fachjury aus 385 eingesandten Vorschlägen ausgewählt.

Sie haben ihre Energien gebündelt, um in alten Steillagen Wein zu produzieren. Ein wenig erinnert das an die Arbeit des „Klitzekleinen Rings“ rund um Traben-Trabach, der sich als Steillagenretter versteht, mit seinen Namen den noblen Bernkasteler Ring der renommierten Mosel-Weingüter persifliert und mit seiner „Bergrettung“ alte Steillagen rekultiviert, den Wein dann gemeinsam vermarktet und die Steillage dann an andere Weingüter abgibt.

8,90 Euro kostet die gemeinsame 2017er Kartell-Cuvée trocken der Pündericher, gut die Hälfte der Bergrettung. Ihnen ist damit ein wundervoll fruchtiger Riesling mit feinen mineralischen Noten gelungen. Ein guter Griff - und auch die Kartons mit Weinen der beteiligten Winzer, die als „Tagesration“, „Kleine Bestechung“ oder „Henkersmahlzeit“ an den Weinfreund gebracht werden gehören zu den lohnendsten weinen der Region. Mit Johannes Busch vom elterlichen Weingut Clemens Busch hat man auch einen Winzer aus dem Kreis der VDP-Weinproduzenten im Kreis der Kartellisten.

In der Region sind die Pündericher unter ihrem alten Spitznamen „Gesetzkrämer“ bekannt, da sie als besonders vorsichtig und spitzfindig gelten. Schon 1618 führten sie ein eigenes geschriebenes Dorfrecht ein, während andere Orte erst um 1750 ihre eigene Ordnung schufen. Das 13. Gesetz könnte für das Kartell gefährlich werden , denn darin steht „Welcher den anderen Reben schneidet in den Weingärten, soll gestraft werden für 1 Reichsthaler“ Die Kartellisten arbeiten schon mal in den anderen Weingärten, den ihrer Komplizen im Kartell. Zum Glück ist aber heute Kooperation unter den jungen Winzern gewünscht. Da muss wohl das Pündericher Gesetzbuch demnächst einmal renoviert werden.

© Michael Ritter

(c) Magazin Frankfurt, 2018