Wagner/von Berg/Maintz, Sündenfall der Künste?

Gerade erst wurden sie mit einer Neuinszenierung des Lohengrin eröffnet: die Bayreuther Festspiele. Nicht unproblematisch war die Suche nach den wichtigsten Akteuren in diesem Jahr. Zuerst sollte der lettische Regisseur Alvis Hermanis die romantische Oper in drei Akten inszeniere. Doch Hermanis gab den Auftrag zurück, weil er die Politik der Bundesrepublik in Sachen Immigration kritisiert und im für politische Fragen nach wie vor hochsensiblen Bayreuth keine politische Diskussion darüber erleben wollte.

Schade eigentlich, denn sein Nachfolger, der jüdische US-Amerikaner Yuval Sharon hatte Probleme, den von Malerstar Neo Rauch und seiner Frau Rosa Loy grandios und bildgewaltig gestalteten Bühnenraum vernünftig zu nutzen und so gingen Chor und die erstklassige Solistenschar ein wenig unter. Auch wäre es wegen des im vergangenen Jahr initiierten DISKURS BAYREUTH als begleitendes künstlerisches und wissenschaftliches Rahmenprogramm sinnvoll gewesen, das sich in diesem Jahr mit „Verboten (in) der Kunst“ beschäftigt und dabei den Dialog und die kritische Auseinandersetzung mit Wagner anbietet.

Also genau das Richtige für die Diskussion. Im vergangenen Jahr ging es dabei um die Frage, ob Richard Wagners Werk für die Zwecke des Nationalsozialismus ‚nur‘ benutzt wurde, oder seine Kompositionen und Schriften mitverantwortlich für die Entwicklung der rassistisch-nationalistischen Ideologie sind? Ist also der „Sündenfall“ Wagners Kunst eingeschrieben? Und „Wem ‚gehört‘ Wagner?“

Die Kontroverse über die Nachbarschaft zwischen Kunst und Barbarei, die schon Thomas Mann umtrieb, ist Ausgangspunkt dieses ein Jahr später erschienenen Themenbuches der Bayreuther Festspiele. Prominente Künstler, Historiker, Kunstwissenschaftler und Publizisten führen darin einen lebendigen Diskurs in Form von Texten, Interviews und Streitgesprächen über den aktuellen Stand zum „Fall Wagner“.

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(c) Magazin Frankfurt, 2018