Wagner, Lohengrin, Royal Concertgebouw Orchestra

Wagner, Lohengrin

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Zwischen Richard Wagner und seinem Lohengrin funkte es nicht sofort. Wagner hatte das Gedicht unter den mittelalterlichen Quellen für "Tannhäuser" gefunden und empfand es als zu mystisch. Doch die Figur des mysteriösen Gralsritter offenbarten ihm auch die tiefe menschliche Sehnsucht nach der bedingungslosen Liebe. Bei der sommerlichen Kur in Marienbad sprang dann 1845 der Funke über und er sagte "der Lohengrin... stand plötzlich vollkommen gerüstet mit größter Ausführlichkeit der dramatischen Gestaltung des ganzen Stoffes vor mir." Es dauerte nicht lang und der Prosaentwurf fürs Libretto stand. Um der Geschichte einen psychologischen Drill zu geben, führte Wagner Ortrud als bösen Geist ein. Telramunds Frau war als Spross eines entmachteten Adelsgeschlechtes prädestiniert für das alte Heidentum und Animismus. Ein Komplott gegen die Herrscher, die eigenen Ambitionen im Wege standen, war damit vorprogrammiert. Wagner gab Lohengrin durch den sächsischen König Heinrich der Vogler ein historisches Profil. Der Fürst hatte 933 die deutschen Stämme aufgerufen, gemeinsam die Ungarn fernzuhalten. Wagner zeigt in dem Stück seine Sicht von König, charismatischem Führer und das Verhältnis zwischen Fürst und Untertanen in der noch existenten Feudalgesellschaft.

Klaus Florian Vogt ist wahrscheinlich der aufsehenerregendste Lohengrin unserer Zeit und gilt bei Opernregisseuren für diese Rolle derzeit als die Idealbesetzung. Bei der auf 3 SACDs gepressten konzertanten Aufführung der berühmten Wagner-Oper vom Dezember 2015 im Amsterdamer Concertgebouw traf Vogt auf andere herausragende Wagner-Sänger wie Falk Struckmann als Heinrich der Vogler, der schon 2006 in Harry Kupfers gefeierten aus Barcelona als Wotan begeisterte, den russischen Bass-Baroton Evgeny Nikitin als Friedrich von Telramund, der einige Jahre neben seiner Karriere an den größten Opernhäusern der Welt auch als Metal-Schlagzeuger auf der Bühne stand. Seinen Auftritt als Holländer bei den Bayreuther Festspielen 2012 sagte der Sänger damals wenige Tage vor der Premiere ab, nachdem ihn das Kulturmagazin aspekte mit einem als Hakenkreuz identifizerten Brust-Tattoo bei einem Rockkonzert zeigte, dass er inzwischen verändert hat, nachdem ihn dessen Tragweite deutlich wurde. Einspringer damals war übrigens der Koreaner Samuel Youn, der hier als Herrrufer zu hören ist. Die großartige Camilla Nylund ist in der Rolle der Elsa zu hören. Als Dirigent konnte für den Abend nach dem sonst dirigierenden Andris Nelsons niemand Geringeres als der Chefdirigent des fantastischen Hallé Orchestra gewonnen werden, das viele Fachleute für das derzeit beste Orchester Großbritanniens halten. Sir Mark Elder ist seit Langem ein ausgewiesener Fachmann für groß besetztes Vokalrepertoire jeglicher Art und legt hier eine begeisternde Wagner-Deutung als Gast beim Royal Concertgebouw Orchestra vor.

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(c) Magazin Frankfurt, 2017