Rossini, William Tell, Royal Opera

Rossini, William Tell

(c) Opus Arte

Die Oper in vier Akten und sechs Bildern ist Gioachino Rossinis letzte Oper und die einzige vollständig neukomponierte Grand Opéra. Am Alter lag das nicht, Rossini war damals gerade 37 Jahre alt und hätte noch 39 Jahre weitere Opern schaffen können, doch seine Korrespondenz lässt seinen Abschied von der Oper deutlich erkennen. Étienne de Jouy und Hippolyte Bis hatten sich das gleichnamigen Schauspiel Friedrich Schillers vorgenommen und das Libretto verfasst. Ein Vierteljahrhundert nach der Uraufführung des Schiller-Stücks kam dann Rossinis Musikversion 1829 in Paris erstmals auf die Bühne. Worum geht's? Der Schweizer Held Wilhelm Tell will sein Volk von der grausamen österreichischen Besatzung befreien. Als er einem gefangenen Schweizer hilft, der Justiz zu entfliehe, gerät er ins Visier des Gouverneurs Gesler, der ihn sadistisch dazu zwingt, einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schießen.

Die Riege der Sänger und Sängerinnen, die auf der Bühne der Londoner Royal Opera Covent Garden singt kann sich sehen lassen:

Gerald Finley, John Osborn, Malin Byström und Sofia Fomina sind zusammen mit Dirigent Antonio Pappano allein durch ihre hochklassigen künstlerischen Leistungen eine Reise nach London wert, doch bei dieser Opernproduktion kommt noch die Inszenierung durch den als Rossini-Spezialisten für bunte Inszenierungen bekannten Venezianers Damiano Michieletto hinzu, die Rossinis epische Klassik mit geradezu unglaublichen Bühnenbildern und kluger Personenführung adelt. Nicht allen Londonern gefiel sie. Berichten zufolge soll es am altehrwürdigen königlichen Opernhaus nach einer Vergewaltigung Szene auf offener Bühne noch nie so massive Buhs, Beschimpfungen und Pfiffe gegeben haben. "Lahm und prätentiös" titelte The Telegraph und nahm Anstoß an der Inszenierung, lobte aber die Sänger und den Dirigenten. Atemberaubende Landschaftsszenen lassen den Zuschauer zweifeln lassen, ob er hier wirklich nur eine Opernbühne vor sich hat oder sich ihm ein Fenster direkt in die Schweiz der Renaissance öffnet. Die jetzt vorliegende Blu-ray bietet jeden Interessenten selbst die Chance zu entscheiden, ob er sich der Londoner Kritik anschließt oder der Inszenierung die künstlerische Freiheit lässt.



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(c) Magazin Frankfurt, 2017