Tiere: Respekt - Harmonie Unterwerfung in Hamburg

Tiere - Respekt, Harmonie, Unterwerfung

(c) Hirmer

150 Gemälde, Skulpturen, Grafiken, Fotografien und Videos bis hin zu raumgreifenden Installationen und Filmen von etwa Albrecht Dürer, Johann Heinrich Füssli, Paul Klee, Pierre Huyghe und Ai Weiwei beschäftigen sich mit dem Verhältnis zwischen Tier und Mensch und sind bis zum 4. März 2018 im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen. Die ältesten Darstellungen von Tieren sind mehr als dreißigtausend Jahre alt – aus Knochen geschnitzt oder an die Wände von Höhlen gemalt, gilt dem Tier die Aufmerksamkeit der ersten Künstler. Die Begegnung zwischen Mensch und Tier hat stets großartige Kunstwerke hervorgebracht. Das ambivalente Verhältnis beider zueinander lässt zugleich auf das Selbstverständnis einer Gesellschaft schließen, auf ihre religiöse, moralische Verfassung, die Einstellung zu Schöpfung und Natur: das Tier als Sinnbild der Götter, als Gefährte oder Bedrohung, Gegenstand der Wissenschaft oder reiner Materialwert. All diese Aspekte werden in fundierten Texten und opulenter Bebilderung vor Augen geführt.

Über Tiere wird in der wissenschaftlichen Diskussion zurzeit viel debattiert: Wie viel Leid spüren sie? Muss ihre Individualität durch Rechte geschützt werden? Haben Menschen die moralische Legitimation, über sie zu verfügen, sie zu verzehren, sie der Freiheit zu berauben und zum Vergnügen abzurichten? Das Verhältnis zwischen Tier und Mensch wird hier sehr ernst genommen. Im Alltag unserer konsumorientierten Gesellschaft dagegen changiert die Beziehung des Menschen zum Tier zwischen unreflektierter Verwertung und sentimentaler Vermenschlichung.

Vor der Folie dieser Kontraste will das Hamburger MKG mit seiner Ausstellung sowohl informieren wie über die Chancen einer respektvollen Koexistenz sensibilisieren. Mit Blick auf die bildenden und angewandten Künste sowie auf die Wissenschaften versucht die Ausstellung eine Neubewertung der gemeinsamen Geschichte von Mensch und Tier. Dieser Ansatz nähert sich dem Verhältnis zwischen Tier und Mensch epochen-, kultur- und medienübergreifend. Die Exponate aus der reichen und vielfältigen Sammlung des Museums werden ergänzt durch internationale Leihgaben aus Museen und naturhistorisch und ethnologisch ausgerichteten Institutionen. Der Schwerpunkt liegt auf Werken der bildenden Künste, durch die in der Interaktion zwischen Tier und Mensch etwas Neues erwächst. In Themeninseln treffen Arbeiten der Hochkultur, Exponate aus populärem Kontext, Arbeiten indigener Kulturen und naturkundliche Objekte aufeinander. Die Ausstellung versammelt rund 150 Exponate von der Antike bis in die Gegenwart, darunter Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie und Videokunst bis hin zu raumgreifenden Installationen und Filmen. Zur Ausstellung erschien bei Hirmer ein interessanter Katalog mit Essays renommierter Autoren aus Kunstgeschichte, Human-Animal-Studies, Archäologie und Zoologie sowie einem attraktiven Abbildungsteil mit Arbeiten von Joseph Beuys, Rembrandt, Bugatti, Albrecht Dürer, Max Ernst, Emmanuel Frémiet, Johann Heinrich Füssli, Jean Paul Gaultier, Francisco de Goya, Ernst Haeckel, Iris van Herpen, Akihiro Higuchi und Ito Jakuchu.

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(c) Magazin Frankfurt, 2017