Bypass - Lebensbrücke für das Herz

Herzschlag

Bypass

Blausen 0466 Heart Bypass Surgery
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Faustgroß, rund 350 Gramm schwer und ein unermüdlicher Motor des menschlichen Körpers: unser Herz. Seine Leisstungen sind gewaltig. Im Laufe eines Menschenlebens pumpt das faszinierende Hohlorgan mit bis zu drei Milliarden Schlägen etwa 250 Millionen Liter Blut durch den Körper, das enspricht der Menge, die in zwei Großtanks von Raffinerien passt. Doch nicht immer funktioniert alles wie am Schnürchen. Eine der häufigsten Herz-Erkrankungen in westlichen Industrieländern ist die Koronare Herz Erkrankung KHK. Doch wie kann man sie zum Beipiel mit dem invasiven Eingriff eines Bypasses behandeln? Dr. Andreas Beckmann, Herzchirurg und Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgieckennt die Antworten:

Unter der Koronaren Herzkrankheit versteht man die Erkrankung der Arterien die den Herzmuskel mit Blut versorgen den sogenannten Herzkranzgefäßen. Auslöser ist oftmals die Arteriosklerose die durch Ablagerungen an den Gefäßwänden über Plaque Bildungen in Gefäßverengungen mündet und letztlich zu einer dauerhaften Gefäßverkalkung führt. Dadurch wird die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels gefährdet und es entsteht ein Missverhältnis zwischen Sauerstoffangebot und -bedarf. Am Ende dieses meist schleichenden Prozesses kann es zu einem lebensbedrohlichen Verschluss der Herzkranzgefäße kommen. Patienten mit einer KHK können keine Symptome aufweisen, berichten jedoch häufig über Symptome wie Brustenge (Angina pectoris) oder Luftnot in Ruhe und bei Belastung. Weitere alarmierende Symptome können von Herzrhythmusstörungen bis hin zu einem lebensbedrohlichen Herzinfarkt reichen. Der Herzinfarkt entsteht durch einen akuten Herzkranzgefäß-Verschluss, auf dem Boden einer zuvor vorhandenen Engstelle der Arterie, was dann zu einer anhaltenden Durchblutungsstörung einer Region des Herzmuskels führt.

Was sind Sinn, Zweck und Ziel der Therapie?

Die Koronare Herzkrankheit ist nicht heilbar, ddoch stehen heute sehr gute Therapiemöglichkeiten zur Verfügung die exzellente Chancen bieten mit der Erkrankung dauerhaft gut zu leben. Je nach Schwere der Erkrankung und Grad und Art der Gefäßverengungen sind unterschiedliche Therapien indiziert, die in invasive und nicht invasive Behandlungsansätze unterschieden werden können. Wesentliches Ziel der Behandlung ist jegliche Symptome zu beheben, das Fortschreiten der Gefäßverkalkungen zu minimieren und die negativen Folgen wie Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche und Herzinfarkte zu verhindern, um die Überlebenschance zu verbessern. Invasiv ist dabei ein Eingriff in den Körper, wenn eine rein medikamentöse Behandlung nicht oder nicht mehr ausreicht.

Eine invasive Therapieform ist der Koronar-Bypass. Wann benötigt der Patient eine solche Gefäßbrücke?

Die „Nationale Versorgungsleitlinie - chronische KHK“ gibt Empfehlungen zur Behandlung der KHK auf Basis anerkannter wissenschaftlicher Erkenntnisse. Bei einer komplexen Verengung des Anfangsteils der linken Herzkranzarterie, der Hauptstammstenose, ist eine koronare Bypass-Operation angezeigt. Auch bei Verengungen aller drei Herzkranzgefäße, ist sie die erste Empfehlung und vorrangige Wahl in Hinblick auf das zu erwartende Überleben und auf die Lebensqualität.

Was ist das Ziel einer koronaren Bypass-Operation und wann ist eine Operation sinnvoll?

Sie dient dazu, sauerstoffreiches Blut hinter die Verengung der Herzkranzgefäße zu transportieren und so die Folgen der Minderdurchblutung des Herzmuskels zu beheben. Der Koronar-Bypass ist eine Überbrückung der Gefäßengstelle, quasi eine operativ angelegte Umgehungsstraße. Oberstes Ziel ist es, die Durchblutung des Herzmuskels mit sauerstoffreichen Blut erheblich zu verbessern. Ob eine Herz-Operation sinnvoll ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Jeder Patient muss individuell befragt, untersucht und auf dieser Grundlage beraten werden um die optimale Therapieempfehlung aussprechen zu können. Besonders wichtig ist, dass die beteiligten Fachärzte „Hand im Hand“ zusammenarbeiten.

Woraus ist der Koronar-Bypass gefertigt und wie lange hält er?

Für den Bypass werden eigene Blutgefäße des Patienten verwendet, die groß genug sind um als Gefäßbrücke zu dienen und an der ursprünglichen Stelle entbehrlich sind. Das kann eine Arterie der Brustwand sein oder eine Vene aus dem Bein. Die Offenheit und Funktionstüchtigkeit hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, üblich sind 15 bis 20 Jahre.

Welche Untersuchungen finden vorher statt?

Vor der Operation findet eine Allgemeinuntersuchung statt sowie bildgebende Diagnostik. Dazu zählen Laborwerte, Röntgen, Herzultraschall und ein EKG.

Wie lange dauert eine Koronare Herz-Operation und wie groß ist das Operations-Team?

Sie dauertrund drei bis vier Stunden. Das Team besteht meist aus dem Operateur, also einem Facharzt für Herzchirurgie, ein bis zwei Assistenzärzten, einem Narkosearzt, zwei OP-Pflegern, einer Anästhesie-Schwester und einem Kardiotechniker.

Wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt?

Abhängig von der Diagnostik und dem Allgemeinzustand sowie dem Verlauf vor und nach der Operation rund 14 Tage, möglichst gefolgt von einer Rehabilitation.

Wann ist man wieder fit und arbeitsfähig, kann also ein „normales“ Leben führen?

Regeneration und Rehabilitation sind von Patient zu Patient unterschiedlich. Danach ist ein normales Leben in der Regel möglich. Risikofaktoren sollten aber möglichst minimiert werden. Sport und Bewegung wirken sich sicher positiv auf den Gesundheitszustand aus.

Welche Risikofaktoren sollten besonders minimiert werden ?

Der Patient kann nicht alle Risikofaktoren beeinflussen, da sie vererbbar oder familiär bedingt sind. Rauchen, hoher Blutdruck, Fettstoffwechselstörungen (erhöhtes Cholesterin), Diabetes mellitus, Übergewicht und Bewegungsmangel sowie Stress können durchaus beeinflusst werden. Generell gilt ein gesunder Lebenswandel als gute Voraussetzung für ein gesundes Herz-Kreislauf-System, ein Garant ist dies jedoch auch nicht.

Wie oft muss der Patient nach der Herz-Operation zur Kontrolle?

Auch dies ist patientenindividuell. Meist ist es zunächst eine halbjährliche Untersuchung durch den Hausarzt und/oder den Kardiologen.

Wie viele koronare Bypass-Operationen werden pro Jahr in Deutschland durchgeführt?

2016 gab es rund 100.000 Herzoperationen in den 78 Fachabteilungen für Herzchirurgie in Deutschland. Davon war rund die Hälfte Koronar-Bypass-Operationen allein oder zusammen mit anderen Eingriffen am Herzen.

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(c) Magazin Frankfurt, 2017