Artymov,On the Threshold of a Bright World

Artyomov, Gentle Emanation

(c) Divine Art (Naxos Deutschland Musik & Video Vertrieb)

Tiefes, dunkles Brummen erzeugt ein Gefühl von Leere und Unendlichkeit. Es kommen Erinnerungen auf an Musik von Science Fiction-Filmsoundtracks (die von der eher düstereren Sorte) aber auch an Sinfonien wie die Neunte von Robert Simpson oder an andere sinfonische Werke z.B. von Alfred Schnittke oder Einojuhani Rautavaara. Das ist sinnlich beeindruckende Musik, die einen vom ersten Moment an in ihren Bann zieht. Bislang kannte ich den Namen des Komponisten Vyacheslav Artyomov nur vom Hörensagen, aber seine Musik hatte ich noch nicht gehört. Dann entdeckte ich im stets turmhohen Neuheitenstapel diese beiden Novitäten des kleinen aber feinen Labels Divine Arts, und ich wurde aufmerksam. Natürlich auch wegen der prominenten Interpreten.

Sowohl Vladimir Ashkenazy als auch Theodor Currentzis zählen ja zu den Dirigenten, die wahrlich nichts mehr beweisen müssen, sondern sich ihr Repertoire wie Rosinen aus dem Kuchen picken können. Die wollen diese Musik also aufführen, weil sie sie schlichtweg gut finden. Und dieses persönliche Engagement merkt man den hier zu hörenden Einspielungen an.

Sowohl das Russian National Orchestra unter Currentzis als auch das National Philharmonic Orchestra of Russia unter Ashkenazy bannten hier wirkliche diskografische Großtaten auf Tonträger. Dazu ist zu sagen, dass Artyomovs Musik orchestral sehr anspruchsvoll ist: Die Einsätze müssen bei dieser Art Musik hyperexakt kommen, und die langen, häufig glissandierend ineinanderfließenden musikalischen Linien bedürfen eines Orchesters, das die vom Dirigenten vorgegebene Trennschärfe auch dann umsetzen kann, wenn sich ähnliche Frequenzbereiche überlappen, wenn Holzbläser und Streicher ganz unerhörte "Mischklänge" produzieren. Und dann kommt zum Orchester manchmal auch noch eine Kirchenorgel dazu! Wow!

Die beiden Sinfonien mit den Untertiteln "Gentle Emanation" und "On the Threshold of a Bright World" sind die beiden, hier auf 2 CDs eingespielten Hauptwerke. Ergänzt wird dies durch weitere, sehr interessant und im allerbesten Sinne unterhaltsam zu hörende Musik Artyomovs, die eine sehr vielseitige, interessante kompositorische Stimme aus dem Russland des 21. Jahrhunderts repräsentiert. So kann ich mir die Fortführung der großen russischen Sinfonietradition sehr gut vorstellen! Auch der Aufnahmeklang lässt keine Wünsche offen. (Dr. Rainer Aschemeier)

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(c) Magazin Frankfurt, 2017