Mitera, Eingreifen bevor es zu spät ist

Mitera, Eingreifen bevor es zu spät ist

(c) KLHE Psychology

Compliance-Verstöße? Noch vor kurzer Zeit hätten vermutlich die meisten Leser erst einmal den Duden aus dem Regal holen müssen, um nachzuschauen, was damit gemeint ist, doch spätestens seit der stark polarisierende BILD-Chefredakteur Julian Reichelt nach Compliance-Vorwürfen vom Axel-Springer-Konzern vorübergehend von seinen Aufgaben freigestellt wurde, ist der Begriff in der Mitte der Gesellschaft angelangt. Der in der Betriebswirtschaft und Rechtswissenschaft schon längere Zeit gebräuchliche Begriff umschreibt die Regeltreue oder Regelkonformität von Unternehmen. Man versteht darunter, ob es die staatlichen Gesetze einhält, aber auch Richtlinien und freiwillige Kodizes.

Schon seit dem 1990er Jahren hat die angemessene Unternehmensführung an Bedeutung gewonnen und wurde von der Bundesregierung unter Bundeskanzler Schröder aufgegriffen. Mit dem Kontroll- und Transparenzgesetz schuf sie 1998 ein Corporate-Governance-Gesetz, dem in den Folgejahren etliche andere folgen sollten. Die durch „bislang unentdeckte Altlasten“ ausgelöste Philipp Holzmann-Pleite zu Beginn des neuen Jahrtausends veranlasste die Bundesregierung zur Einberufung einer Regierungskommission, die empfahl einen „Code of Best Practice“ für deutsche Unternehmen zu entwickeln. Die Gesamtheit der Grundsätze und Maßnahmen zur Einhaltung bestimmter Regeln und zur Vermeidung von Regelverstößen wird als „Compliance Management System“ bezeichnet.

Doch ist es seitdem besser geworden? Das darf man sich getrost fragen, nach den diversen Skandalen und Affären der letzten Jahre, die vielen Betroffenen immer noch die Zornesröte ins Gesicht treibt: Der Wirecard-Skandal, die Dieselgate-Affäre oder die Raffgier einiger Unionspolitiker bei der Beschaffung von Masken sind nur die Spitze des Eisbergs scheinbar ausufernder Wirtschaftskriminalität, die das Vertrauen der Bevölkerung in Industrie und staatliche Führung zusehends auf einen Nullpunkt sinken lässt. Maximilian Mitera hat deshalb seine ROMI-Methode® entwickelt, die dabei helfen soll Betrüger rechtzeitig zu entlarven und dadurch Bedrohungen frühzeitig abzuwenden. Der heute 47-jährige Hauptkommissar hat als operativer Fallanalyst eine jahrzehntelange praktische Erfahrung bei Polizei, Sicherheitsbehörden und beim Nachrichtendienst. Seine Erfahrungen hat er jetzt in einem Buch zusammengefasst, das die von ihm entwickelte Methode, die Prozesse der Schadensentwicklung frühzeitig sichtbar zu machen und darauf präventiv zu reagieren.

Auslöser waren für den damals jungen Polizisten die verstörenden Bilder von rechtsextremistischen Übergriffen in Rostock-Lichtenhagen im Jahr 1992, als Hunderte von Rechtsextremisten, gefeiert von rund 3.000 applaudierenden Sympathisanten mehrere Tage lang eine zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber angegriffen. Mitera hat sich damals gefragt, was Personen dazu bringt, Gewalt gegen ihnen völlig unbekannten Menschen auszuüben und ob man nicht wesentlich früher eingreifen kann, um die Eskalation zu verhindern, am besten, bevor Schaden entstehen kann. In der SciFi-Literatur hatte sich der Amerikaner Philip K. Dick schon in den 1950er Jahren mit dieser Precrime-Thematik beschäftigt und viele haben sicherlich noch den darauf basierenden Spielberg-Film Minority Report aus dem Jahr 2002 im Gedächtnis in dem Tom Cruise als Mitglied einer Strafverfolgungsbehörde des Jahres 2054 arbeitet, die die Aufgabe hat, Personen zu identifizieren und festzunehmen, die in der Zukunft Straftaten begehen werden.

Die Kriminologie hat sich schon früh mit der Thematik beschäftigt und diese Gedanken mit dem Maßregelvollzug umgesetzt, bei dem vom Gericht bestellte Sachverständige Prognosen stellen sollen, die die zukünftige „Gefährlichkeit“ von Straftätern voraussagen kann. Das klappt nicht immer gut. Ein anderer Ansatz ist die vorausschauende Polizeiarbeit. Statt eines konkreten Verdachtes gegen eine Person reichen dabei generalisierte Verdachtsmerkmale, wie die auf bisherige Erfahrungen basierende Gegend, das Aussehen oder das Benehmen von beobachteten Personen, um deren Identität festzustellen. Dies hat auch in neueren Polizeigesetzen Aufnahme gefunden und wird durch neue computergestützte Verfahren zur Prognose unterstützt. Kritiker bemängeln, dass für die Unschuldsvermutung im Rahmen präventiver Maßnahmen kein Raum ist.

Auch außerhalb der Polizeiarbeit sind die Gefahren vielfältig. Wie begegnet man dem, was in einer Dunkelzone existiert? Wie begegnet man Radikalisierung, Mobbing, Rufmord, Stalking, häuslicher Gewalt, Kindesmissbrauch? Mitera nutzt hier die Profilingtechniken eines operativen Analysten, um das aufzudecken, was den meisten verborgen bleibt.

Für Warnhinweise zu sensibilisieren und Schadensentwicklungen sichtbar zu machen und präventiv eingreifen wird in der Wirtschaft zunehmend wichtig: vom Kleinstunternehmen bis zum Konzern. Wer momentan keine Nase für Unehrliche hat, läuft allein schon durch die Verschiebung der Insolvenzregeln Gefahr, durch seine Kunden um die Existenz gebracht zu werden.

Mitera sagt: „Ich bin fest davon überzeugt, dass kein Mensch zum Täter geboren wird, aber natürliche Veranlagungen, prägende kindliche Faktoren und soziale Einflussnahmen können negative Entwicklungen fördern. Es sind aber auch die gleichen Faktoren, die positiv einer Radikalisierung entgegenwirken. Jeder besitzt Merkmale eines individuellen Persönlichkeitsstils, die in ihrer Extremform eine Störung darstellen können. Gleich einem Pendel schwanken wir ein Leben lang zwischen positiven und negativen Einflüssen, also letztlich zwischen Gut und Böse. Es liegt in unserer Hand das Schwingen des Pendels zu begrenzen.“ Hier hilft es, wenn man Menschen lesen, Konflikte lösen und Betrüger entlarven kann. Leider haben Opfer selten die Chance, die wahren Absichten der Täter rechtzeitig zu erkennen und wie Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ zeigt, sorgt die Hoffnung auf ein gutes Ende dafür, die Grenzen des Ertragbaren zu erhöhen.

Hier hilft das Buch zur Schadensbegrenzung, denn für Warnhinweise zu sensibilisieren, einen Schaden bereits während des Entstehens sichtbar zu machen und dann präventiv einzugreifen, ist oft ein entscheidender Faktor. Egal, ob es sich um Spione, Hochstapler oder Amokläufer handelt – die größte Bedrohung ist der Mensch selbst. Die Anwendung der von Maximilian Mitera speziell entwickelten universellen Methode garantiert belastbare Ergebnisse und Handlungsentscheidungen.

Maximilian Mitera verfügt als operativer Analyst über jahrzehntelange praktische Erfahrung. Er war beteiligt an zahlreichen Lagebilderstellungen gewalttätiger Konflikte, Festnahmen gewaltbereiter Straftäter sowie operativer und zum Teil verdeckter Aufklärungsmaßnahmen im Bereich gewaltbereiter Gruppen. Sein Arbeitsschwerpunkt ist Internationaler Extremismus und Terrorismus. Seine Methode basiert auf seinem Studium wissenschaftlicher Methoden in der Psychologie und dem Bedrohungsmanagement und dem Austausch mit Spezialisten verschiedener Disziplinen. Sie will eine praktikable Methode finden, erkannte Gefahrenentwicklungen für die Entscheider so darzustellen, dass man bereits präventiv eingreifen kann, bevor ein Schaden eintritt.

Miteras Koautorin bei diesem Buch ist Dr. Britta M. Scholz. Die promovierte Kommunikationswissenschaftlerin ist als Publizistin, Ghostwriterin und Fachjournalistin im Bereich taktische Medizin tätig und beschäftigt sich mit Themen der Digitalen Ethik, der gesellschaftlichen Resilienz und der Radikalisierungsprävention und ergänzt Miteras ROMI-Methode durch kommunikative Aspekte.

Maximilian Mitera/Bitta Scholz, Eingreifen bevor es zu spät ist - Menschen lesen, Konflikte lösen und Betrüger entlarven, KLHE Psychology, Hardcover, 326 Seiten, ISBN 978-3947061938, 28,90 Euro

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(c) Magazin Frankfurt, 2021