Kamp, Köln ungeschönt, Wilhelm Scheiner Fotos

Scheiner, Köln ungeschönt

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Auch wenn man nach den Vorkommnissen vor dem Kölner Hauptbahnhof in der Sylversternacht den Titel dieses Buches für aktuell halten könnte, geht der Band zurück in die Geschichte der Stadt. Wilhelm Scheiner lebte dort vor gut einhundert Jahren bis zu seiem Tod im HJahr 1922 und war ein bekannter Maler. Wie schon sein Vater fotografierte er aber auch mit seiner Plattenkamera das Leben und die Gebäude der Stadt Köln in den Jahren zwischen 1880 und 1914, um sie später als Vorlagen für seine Aquarelle zu verwenden. Die Aussage der Fotografien selbst hat man dabei lange Zeit außer Acht gelassen, bis jetzt die Ausstellung „Köln ungeschönt“ im Kölnischen Stadtmuseum bis zum 24. April 2016 mit diesen Fotografien das Gesicht der Stadt vor dem Großen Krieg unverstellt, alltäglich und eben authentisch zeigt. Der Kunsthistoriker Mario Kramp ist seit 2010 dessen Direktor und hat zusammen mit seiner Mitarbeiterin Rita Wagner von der Graphischen Sammlung des Museums diese Zeit aufgearbeitet.

Scheiners bevorzugten Motive waren Straßenszenen aus der engen Altstadt zwischen Mauerring und Zollhafen, auf denen er das Alltags- und Arbeitsleben festhielt, ungestellt und ohne Filter. Auch die Veränderungen im Stadtbild wie der Abbruch der Stadtmauer wurden von ihm fotografisch dokumentiert. Anders als seine nahezu kleinstädtisch geprägten Aquarelle in hellen Farben und vor allem ohne Armut zeigen Scheiners Fotografien das „normale“ Köln mit der Enge der Altstadt, den dicht neben- und übereinander lebenden Menschen und Kindern, die sich aufgrund des beengten Wohnraums tagsüber auf der Straße tummeln. Eine Stadt im Umbruch, bei der die berühmten Bauten wie der Dom oder die romanischen Kirchen oder die Rheinfront nur ganz selten zu sehen sind

(c) Magazin Frankfurt, 2018