Bickel, Die Profiteure des Terrors

Bickel, Die Profiteure des Terrors

(c) Westend Verlag

Ist es nicht verlogene Heuchelei, wenn unsere Politiker sich hinstellen und Flüchtlinge in die Arme schließen oder mit ihnen Selfies schießen und mit Parolen wie "Wir schaffen das!" das Volk polarisieren und spalten? Ist Deutschland nicht viel zu stark involviert in die dreckigen Geschäfte des Waffenhandels mit arabischen Diktatoren und miteinander verfeindeten Stammesgruppen, um eine moralische Haltung einnehmen zu können? Der Frage, wie Deutschland an Kriegen verdient und damit (nicht nur) arabische Diktaturen stärkt, geht Markus Bickel in seinem Buch "Die Profiteure des Terrors" auf den Grund.

Eigentlich wollte der in Venezuela geborene 45-jährige Lateinamerika-Korrespondent werden. Filme wie „Under Fire“ mit Nick Nolte als Kriegsfotograf im revolutionären Nicaragua und eigene Reisen durchs rebellische mexikanische Chiapas weckten seine Lust auf ein Reporterleben zwischen Feuerland und Mexiko. Doch nach Abschluss der Deutschen Journalistenschule in München und dem Politik-Studium in Berlin blieb er erst einmal in der Alten Welt, arbeitete zunächst als Redakteur der Wochenzeitung Jungle World in Berlin, dann als Balkan-Korrespondent in Sarajevo. Über die früheren jugoslawischen Nachkriegsrepubliken schrieb er bis 2005, ehe er Europa dann doch den Rücken kehrte und nach Beirut zog, um unter anderem für Spiegel Online, Zeit und Frankfurter Allgemeine Zeitung aus dem Libanon zu berichten. Dann kam er zurück nach Deutschland als Redakteur der FAZ in Frankfurt, für die er anschließend bis 2015 drei Jahre lang Nahost-Korrespondent in Kairo war und aus Ägypten, Syrien, Libyen und Irak berichtete.

Kein ganz ungefährlicher Job, aber zumindest sicherer als der vieler Fernsehkollegen, die zum Beispiel in Ägypten schnell in Verdacht geraten, für feindliche Sender wie den von Katar und damit den Muslimbrüdern finanzierten al-Jazeera zu arbeiten. Seit 2016 arbeitet Bickel als Autor und Journalist in Berlin.

Markus Bickel beobachtete bei seinen Recherchen, dass sich die deutsche Rüstungsindustrie über volle Auftragsbücher freut, deren Hauptgrund die neuen Verwerfungen im Nahen Osten sind. Milliardenaufträge für Siemens aus Kairo, steigende Nachfrage auch in Riad und Abu Dhabi: der Schmusekurs der Bundesregierung hat in erster Linie wirtschaftliche Gründe. Auf Platz drei der Importeure von Waffen „Made in Germany“ landet Saudi-Arabien, dicht gefolgt von Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar. Als Hauptfeind hat sich dort der Islamische Staat etabliert. Doch Luftschläge und Waffenlieferungen an sogenannte strategische Partner wie Saudi-Arabien haben bislang kaum dazu beigetragen, die mörderische Islamistenarmee an der Wurzel zu packen. Den Preis für die zunehmende Militarisierung zahlen die Menschen vor Ort. Wie der "Krieg gegen den Terror" nach 9/11 dient auch der Krieg gegen den Islamischen Staat den Regimes als Blankoscheck für den Ausbau ihrer Repressionsapparate. Markus Bickel deckt auf, wer die wahren Profiteure aus diesen Konflikten sind und bei wem es in der Kasse klingelt, wenn in Syrien, im Irak und anderswo wieder gebombt wird.

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(c) Magazin Frankfurt, 2018