Blissett, Q

Luther Blissett, Q

(c) Assoziation A

Als in Italien 1999 dieser gewaltige Roman über die Zeit der Reformation erschien, löste er bei seinen Lesern einen Sturm der Begeisterung aus. Denn neben grandioser Unterhaltung gibt er ihnen ein Rätsel auf: Wer ist Luther Blissett? Sicherlich nicht der karibisch-englische Fußballprofi gleichen Namens, der in den 1980er Jahren unter anderem für den AC Mailand spielte. Die Überraschung war groß, als die Wahrheit ans Licht kam: Vier junge Autoren aus Bologna waren die Urheber dieses mysteriösen Romans. Ihr Ziel: die traditionelle Autorenschaft zu sprengen. Raffiniert umspannt der historische Thriller vierzig Jahre im 16. Jahrhundert – vierzig Jahre, die die Welt veränderten. Deutschland ist im Umbruch: Luther und die Wiedertäufer, päpstliche Spione und aufständische Bauern kämpfen um Macht und Vorherrschaft. Vor diesem Hintergrund stehen sich zwei erbitterte Feinde gegenüber: Ein junger Theologiestudent, Anführer der Häretiker, und sein unsichtbarer Feind – Q, der Mann ohne Gesicht, der Statthalter des Papstes, der Verräter ohne Namen. Seine Mission: den Geist der Revolte auszulöschen. Doch die Rebellen kämpfen mit einer unschlagbaren Waffe: der Macht des Wortes.

Da das Impressum erlaubt, das Buch frei zu kopieren, ist es wahrscheinlich die bislang kommerziell erfolgreichste Open-Content-Publikation überhaupt. Die fünf Gründungsaktivisten setzten ihre gemeinsame schriftstellerische Arbeit unter dem neuen Pseudonym Wu Ming fort und veröffentlichten in Italien mehrere erfolgreiche Romane. Jetzt hat Assoziation A den erstmals 2002 bei Piper in Deutsch erschienenen Band als ihren Beitrag zu 500 Jahren Reformation neu aufgelegt.

Der besondere Reiz dieses großen Leseerlebnisses sind einmal die Autoren selbst, die sich aus "Internet-Kulturterroristen" rekrutieren und gegen kulturellen Mainstream und die Macht medialer Institutionen protestieren. Bei der Handlung begeistert das Buch durch geschickte Wechsel der Perspektive. Der Mann ohne Gesicht "Q" berichtet darin stets in Briefen an seinen Herren, während der ketzerische Theologiestudent als Icherzähler von seinem Leben erzählt. Auch 16 Jahre nach Ersterscheinen immer noch ein lesenswertes Buch, das beim Lesen einfach Spaß macht.

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(c) Magazin Frankfurt, 2017