David, Die französische Küche

David, Die französische Küche

(c) Mandelbaum Verlag

Ein Standardwerk über die französische Küche aus England? In der Tat hat sich auf der Insel ein hohes Maß an Kochkultur entwickelt und die 1992 verstorbene Elizabeth David gehört ohne Frage zu den bedeutendsten britischen Kochbuchautorinnen und Gastro-Journalistinnen, die seit den 1950er Jahren in hohem Maß mit ihren literarisch ansprechenden Artikeln und Büchern über die Küche und Kulturgeschichte des Mittelmeerraumes sowie traditionelle britische Gerichte die Qualität sowohl der Restaurants als auch die Küche in britischen Haushalten revolutionierte und noch heute renommierte Küchenchefs inspiriert. Die Tochter aus gutem Oberschicht-Haus rebellierte vehement gegen gesellschaftliche Normen, studierte Kunst in Paris, war Schauspielerin und brannte mit einem verheirateten Mann durch, mit dem sie in einem kleinen Boot zunächst nach Frankreich, dann nach Italien segelte, wo das Boot beschlagnahmt wurde. Das Paar lebte einige Zeit auf der griechischen Insel Syros, musste jedoch infolge der deutschen Invasion in Griechenland nach Ägypten flüchten, wo sie sich trennten. Später arbeitete David im marinen Chiffrierbüro in Alexandria für die britische Regierung und leitetet die Bibliothek des Informationsministeriums in Kairo, woe sie später auch eine kurze Ehe einging. Als sie nach dem Krieg in ihre englische Heimat zurückkehrte spürte sie die Trostlosigkeit und das schlechte Essen und machte sich an eine Artikelserie über die mediterrane Küche, die später auch in Buchform erschien und eine große Wirkung auf die Fantasie einer breiten Öffentlichkeit hatte. Zutaten wie Auberginen, Basilikum, Knoblauch, Olivenöl und Safran, die zu jener Zeit auch in London kaum zu bekommen waren, wurden von ihr populär gemacht. So wurden in wenigen Jahren Gerichte wie Paella, Moussaka, Ratatouille, Hummus und Gazpacho bekannt und hielten auch Einzug in britische Haushalte.

1960 erschien dann ihr Buch über die französische Küche. Mit ihrem Einfluss auf die Kochgewohnheiten in Großbritannien und ihrer tiefen Abscheu gegen achtloses Kochen und minderwertigen Ersatz von Zutaten hat sie heute eine Nachfolgerin in ihre Mitstreiterin Jill Norman, die nach dem Tod von David in England eine Reihe von für die jetzt im Mandelbaum-Verlag erschienenen deutschen Ausgabe das Vorwort verfasste. Als Elisabeth im Mai 1992 starb, kamen zum mehr Menschen in die als die Kirche, als Plätze vorhanden waren, denn neben Familie, Freunden, Köchen und Kollegen wollten auch viele Leser ihr die letzte Ehre erweisen und Abschied nehmen. Dem heutigen Koch-Hype öffnete sie den Weg, denn heute ist ein großes und aufnahmebereites Publikum vorhanden. Toll, dass jetzt auch deutsche Leser die Möglichkeit haben ihre einfachen und gut übersichtlichen Rezepte nachzukochen.

Es lohnt sich. Was Köchen, Gourmets und Kennern und Sammler historisch bedeutender Kochbücher wohlbekannt war und oft ein Bestandteil ihrer Bibliothek ist lesenswert, inspirierend und auf eine unterhaltsame Art informativ, denn Elisabeth David schrieb so wie sie kochte: einfach, mit Respekt für Traditionen, mit Leidenschaft und Wissen. Dabei gehen ihre Geschichten über die heute üblichen Gebrauchsanleitungen weit hinaus. Das Aroma eines Gerichts und seine leuchtenden Farben springen förmlich aus den Seiten. Elisabeth ermutigt Leser zu eigenen Entdeckungen und einer Interpretation der Gerichte, statt zum sturen Befolgen von Anweisungen. Übrigens - auch in Frankreich fand die Autorin große Anerkennung.

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(c) Magazin Frankfurt, 2018