Shetterly, Genbombe

Shetterly, Genbombe

(c) Heyne Verlag

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Oftmals ist es nicht leicht, den eigenen chronische und das Leben bedrohenden Leiden auf den Grund zu gehen. Handelt es sich dabei um ein sogenanntes "orphan disease", eine seltene Krankheit, die nach ihrer Definition in einer Praxis eines Allgemeinmediziners in der Regel höchstens einmal pro Jahr vorkommt und die wegen ihrer Seltenheit noch weitgehend unerforscht ist? Handelt es sich um Ursachen, die mit unserer Ernährung zusammenhängen? Das eine schließt das andere nicht aus, doch in der Tat ist es schwierig bis unmöglich, allen möglichen Ursachen auf den Grund zu gehen. Diese Erfahrung musste auch Caitlin Shetterly sammeln, die jahrelang mit ihren starken Kopf- und Gliederschmerzen, mit Übelkeit, extremer Müdigkeit, Hautausschlag und Schlaflosigkeit von Arzt zu Arzt pilgerte und dort mit Schmerzmitteln, Antidepressiva, Ernährungsumstellungen, Hormontherapien, Akkupunktur und Meditationskursen abgespeist wurde. Dann endlich kommt einer der Ärzte der Ursache ihrer Leiden auf die Spur: Caitlin ist allergisch auf genmanipulierten Mais. Prima, denkt sie, darauf zu verzichten dürfte ja kein Problem sein - oder doch? Die Suche nach einer Antwort auf diese Frage führte Shetterly bei akribischen Recherchen auf der Spur der Lebensmittel aus den USA schnell auch nach Brüssel und Deutschland. Dort zeigt sich mit erschreckender Deutlichkeit, wie weit unser Essen bereits von genmanipulierten Substanzen unterwandert ist.

Es ist alles andere als leicht, dem Allergen zu entkommen, denn die sogenannten GVOs (gentechnisch veränderte Organismen) finden sich über das Essen hinaus in vielen Dingen unseres täglichen Gebrauchs, wie der Beschichtung von Kaffeepappbechern, Medikamenten, Windeln oder auch Zahnpasta, in natürlichen Aromen, Dextrose, Zellulose und vielen mehr. Oft wissen wir gar nichts von deren Existenz. Shetterly wirft dabei einen beunruhigenden Blick auf den größten Lebensmittelkampf unserer Zeit, der gerade erst begonnen hat.

In seinem Vorwort schildert Walter Haefeker, der Präsident der Europäischen Vereinigung der Berufsimker, seinen Kontakt zu der amerikanischen Journalistin und Autorin und zeigt dabei auch auf, wie von den Steuerzahlern finanzierte staatliche Institutionen sich allzu leicht von den Karren der Gentechnikindustrie spannen lassen und sich von ihren Verlockungen korrumpieren lassen, ohne den Verbraucher zur Seite zu stehen und ihnen glaubwürdige Antworten auf Risiken und Nebenwirkungen der Biotechnologie zu liefern. Unterstützt wird der Kampf der Gentechnik-Lobby dabei durch gekaufte Experten, die über breit angelegte PR-Kampagnen den Ruf der oftmals ehrenamtlich tätigen Kritiker ruinieren sollen und dem Volk Sand in die Augen zu streuen. Die in Maine lebende Autorin hat mehrere Sachbücher, unter anderem einen Bestseller zum Thema Scheidung verfasst und schreibt regelmäßig für The New York Times Magazine und die amerikanische Elle.

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(c) Magazin Frankfurt, 2017