Malina, Dear Papa, how is you? - Korngold

Malina, Dear Papa, who is you?

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Heutzutage kennt ihn leider kaum noch jemand, dabei war Erich Wolfgang Korngold mit seiner Oper "Die tote Stadt" und anderen Kompositionen bis zu Hitlers Machtergreifung neben Richard Strauss der meistgespielte Opernkomponist im deutschsprachigen Raum. "Die tote Stadt", die vor einigen Jahren auch bei der Oper Frankfurt nach langer Pause wieder auf dem Spielplan stand, katapultierte den damals 20-jährigen, der als Wunderkind aus Brünn begann, endgültig in den Kreis der wichtigsten Komponisten der modernen Klassik.

Doch der Nationalsozialismus machte jüdischen Musiker das Leben schwer und so folgte er schon 1934 während des Austrofaschismus der Einladung Max Reinhardts nach Hollywood, um die Filmmusik für dessen Film "A Midsummer Night’s Dream" nach Mendelssohns Schauspielmusik zu arrangieren. Reinhardt hatte er bereits in Europa kennengelernt und für ihn die Operetten Die Fledermaus und La Belle Helene zu bearbeiten. Bis 1946 blieb er diesem Metier treu und setzte mit seiner Arbeit neue Maßstäbe in der neu aufkommenden Filmmusik. Für die Filmmusik zu "Ein rastloses Leben" und "Die Abenteuer des Robin Hood" erhielt er folgerichtig einen Oscar für die beste Filmmusik. Sein Versuch 1946 zur absoluten Musik zurückzukehren, blieb weitestgehend die Anerkennung durch Publikum und Musikkritik versagt. 60-jährig verstarb er nach einer Herzattacke in seiner neuen Heimat Los Angeles.

Jetzt liefern zahlreiche neu entdeckte Korrespondenzen des Komponisten ein selbstredendes Zeugnis des bewegten Lebens der hochkarätigen Künstlerfamilie. Von der brennenden Liebe der Eheleute Erich Wolfgang und seiner ebenfalls künstlerisch tätigen Ehefrau Luzi geb. von Sonnenthal bis hin zum Exil in Amerika - der kreative Schreiber bewahrt stets Witz und Phantasie. So schrieb er 1914 an seine Vermieter H. und R. Witrofsky in Wien:

"Erlaube mir hiermit die höfliche Anfrage, wie man sich vorstellt, daß mittels dieses Diminutiv von Seifchen, welches Sonntag, am 1. Februar 1914 früh im Badezimmer der vereinigten Familie Korngold als einziges Reinigungsmittel funktionierte, 8 Hände, 8 Arme, 8 Ohren, 4 Hälse, 4 Brüste, 4 Rücken, nicht zuletzt 4 Gesichter in sonntäglicher Reinheit erstrahlen sollten. Indem ich einer gütigen Aufklärung gespannt entgegensehe, zeichne ich im Voraus dankend ganz ergebenst EWK". Aus dem Österreich kurz vor dem "Anschluss" schrieb ihm sein Vater 1938 ins Exil " Geliebtes Kind, ... Jedenfalls der Anfang vom Ende. Denn nun werden die Nazi frei schalten u. »Unordnungen« herbeiführen, die den Vorwand zum Einmaschieren geben werden, zu einem Zeitpunkt, wenn es H. passen wird und er entweder den Krieg nicht zu riskieren glaubt oder - gerade - riskieren will. … jetzt bin ich dafür, daß du ernstlich an eine Position in Amerika denkst, vielleicht auch für eine Stelle an der Reinhardtschule für die Musik. Schönberg lebt auch so … Was sagst du zu den schwarzen Gedanken? Aber ich glaube, man kann nicht genug umsichtig den Ereignissen entgegensehen. Die weitere kurze Lebensdauer kann ich überall zubringen und mein bißchen Manna aufessen. Könnte ich doch nur noch Deine Oper hören!! Dein Dich liebender Vater" Auch die Eltern blieben nicht in der Heimat. Nach dem Anschluss emigrierten sie in die USA.

Korngolds Enkelin Kathrin Korngold Hubbart setzte sich 2004 für die Rückgabe von Korngolds Korrespondenz ein, die auch gewährt wurde. Die Briefe verblieben allerdings in der Österreichischen Nationalbibliothek, wo sie anschließend von der Musiktherapeutin und Sängerin Lis Malina aufgearbeitet wurden.

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(c) Magazin Frankfurt, 2017