Leonard, Lanterne Rouge

Leonard, Lanterne Rouge

(c) Osburg Verlag

Schon an den Zweiten in einem Wettkampf kann sich normalerweise kaum noch jemand erinnern, doch an den Letzten? Ja, ab und zu gibt es da schrille Vögel wie den Briten Michael Edwards, der auf Teufel komm raus sein Land als Skispringer bei der Olympiade in Calgary vertreten wollte und dies gegen alle Widerstände auch umsetzte. Als "Eddie the Eagle" ging er in die Geschichte und in die Herzen der Zuschauer ein und kürzlich kam sogar ein Film über ihn in die Kinos. Doch sonst ist als Letzter durchs Ziel zu gehen normalerweise kein Grund zu feiern. Wenn man aber dafür ein Radrennen über dreitausend Kilometer bestreitet, bei gnadenlosem Wetter Bergketten bezwingt, wenn man diese Herausforderung meistert, und zwar in der langsamsten Zeit, ist man dann wirklich ein Loser?

Lanterne Rouge, das ist die inoffizielle Bezeichnung für die Letztplatzierung bei der Tour de France, benannt nach den roten Rücklichtern am letzten Waggon einer Eisenbahn, ist längst viel mehr als bloß ein Trostpreis. Max Leonard widmet sich in seinem ganz und gar erstaunlichen Buch den vergessenen, inspirierenden, teilweise absurden Geschichten der Letztplatzierten seit 1903. Wir erfahren von Etappensiegern und ehemaligen Gelbes-Trikot-Trägern, die auch das Leben am anderen Ende des Hauptfeldes kennengelernt haben. Von Ausreißern, die für eine Flasche Wein angehalten haben, um sich dann zu verfahren, und von Gedopten, deren Cocktails sie versehentlich langsamer gemacht haben.
Max Leonard stellt Betrachtungen an, die weit über die Welt des Spitzensports und der Leistungsphilosophie hinausgehen und uns einladen zu hinterfragen, was Erfolg wirklich bedeutet. Seinen Enthusiasmus spürt man in jeder Zeile: fesselnd, überraschend und höchst amüsant!

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(c) Magazin Frankfurt, 2017