Lahme, Die Manns - Geschichte einer Familie

Lahme, Die Manns - Geschichte einer Familie

(c) S. Fischer Verlag

Acht Menschen und acht Blickwinkel, so wurde die Geschichte der Manns noch nicht erzählt. Das literarische Werk Thomas Manns überragt nicht nur die Konkurrenz – es beherrscht auch die eigene Familie. Frau Katia hält ihm den Rücken frei und die Kinder vom Hals. Ihre scharfe Zunge ist gefürchtet. Der schöne Sohn Klaus will als Schriftsteller so berühmt sein wie der Vater. Die älteste Tochter Erika liebt ebenso leidenschaftlich, wie sie hasst. Der scheue Golo sucht sein Glück fern der Familie. Michael will ein großer Musiker werden, kämpft gegen seinen Jähzorn und die hohen Ansprüche der Familie. Elisabeth ist Vaters Liebling. Sie redet mit Tieren und rettet die Welt. Alle lästern über Monika. Die Geschwister experimentieren mit der Liebe und den Drogen, verschleudern das elterliche Geld – und werden zu ernsthaften Gegnern Hitlers.

Wohin das Schicksal sie auch trägt: Die Manns halten zusammen und sie verraten einander. Der Kulturwissenschaftler Tilmann Lahme war Feuilleton-Redakteur der FAZ und lehrt heute an der Universität Lüneburg. Seit Jahren beschäftigt er sich mit der Familie Mann und brachte 2009 eine vielgerühmte Golo-Mann-Biographie heraus. Für sein eindrucksvolles neues Buch wertete er die gesamte, meist unbekannte Familienkorrespondenz der Manns aus und erzählt anhand zahlloser bisher unzugänglicher Quellen das aufregende Leben der Manns.

Tilmann Lahme kann in dem Buch erstmals auf die neu aufgefundene Familienkorrespondenz zurückgreifen und erzählt die Geschichte in Form einer ab 1922 erzählten Jahreschronik. Das diese Aufzählung ohne jede interpretatorische Einordnung erfolgt, ist wenig erfreulich, doch bietet die Geschichte von Katia und Thomas Mann und ihrer sechs Kinder faszinierenden Lesestoff, der ihre Leser bei der Stange halten dürfte.

(c) Magazin Frankfurt, 2017