Yu, Die sieben letzten Tage

Yu, Die sieben letzten Tage

(c) Verlag S. Fischer

Das moderne China als Groteske: Yang Fei ist erst 41 und schon tot. Doch bevor seine Seele ins Jenseits geht, befindet sich der Verstorbene sieben Tage in einem Zwischenreich, in dem er sein Leben Revue passieren lässt. Schon seine Geburt verlief dramatisch: Die hochschwangere Mutter verliert das Kind auf dem Abort des Zuges, zum Glück findet es der Streckenwärter Yang Jinbiao auf den Schienen und nimmt es bei sich auf. Im modernen China bleibt sein Leben dramatisch: der Abriss seiner Wohnung durch Spekulanten, die Verarmung seines Ziehvaters durch Krankheit, und dann verlässt ihn auch noch seine große Liebe Li Qing für einen reichen Mann.

Schon Yu Huas Vater war Arzt und so wundert es nicht, dass der 57-jährige, der im Umfeld eines Krankenhauses aufwuchs, später selbst Medizin, genauer gesagt Zahnmedizin, studierte. In einem Porträt des Goethe-Instituts sagte er einmal, dass er gerne aus Deutschland die deutliche Trennung von Beruf und Privatleben übernehmen würde. Fünf Jahre arbeitete er als Zahnarzt und sagte darüber, dass die Mundhöhle ein Ort ohne jede Aussicht sei, und da er gerne mehr von der großen und bunten Welt habe sehen wollen, Deshalb begann er habe er zu schreiben und wurde 1984 Schriftsteller.

Heute ist Yu Hua einer der bedeutendsten Schriftsteller Chinas. Seine Bücher haben sich in China Millionen Mal verkauft. Viele seiner Werke sind durch persönliche Erfahrungen geprägt. Sein Buch "Leben" machte das Mitglied der chinesischen Avantgarde international bekannt und wurde von Zhang Yimou verfilmt, der dafür unter anderem in Cannes und bei den Golden Globes nominiert wurde. Sein Buch "China in zehn Wörtern" durfte in China nicht erscheinen, da es Chinas Aufstieg so komisch, traurig und absurd erzählt und sein Land auf den schmalen Grat führt, von dem es meist auch abrutscht. Denn der Großteil der chinesischen Gesellschaft profitiert nicht vom Wohlstand, sondern wird auf brutale Weise an den Rand der Gesellschaft gedrängt. In zehn Essays breitet Yu literarische Miniaturen aus, die die Welt aus einer ganz eigenen Position betrachten. So etwas wird in China nicht gern gesehen und die Führung hat deshalb wenig Bedenken, eine solche Sicht, die das Ansehen des Landes gefährden könnte, zu verbieten. Trotzdem sind sie wahr, denn sie entstammen seinen eigenen Erfahrungen und denen seiner Landsleute. Yus Huas lesenswerte surreale und ausgesprochen beißende Kritik am modernen China war nie schärfer akzentuiert als in seinem neuen Band, der am 27. April 2017 in der Übersetzuung von Ulrich Kautz bei S. Fischer erscheint.

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(c) Magazin Frankfurt, 2017