Cercas, Der falsche Überlebende

Cercas, Der falsche Überlebende

(c) Verlag S. Fischer

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Eine spannende Geschichte über eine gelebte Lebenslüge. Der 96-jährige Katalane Enric Marco leitete seit 2001 als Präsident die spanische Organisation der KZ-Überlebenden "Amical de Mauthausen y otros campos de concentración". Vier Jahre später musste er von diesem Amt zurücktreten, als der Forschungsbericht des spanischen Historikers Benito Bermejo belegte, dass wesentliche Daten seiner Biographie, die seine behauptete Inhaftierung in den Konzentrationslagern Mauthausen und Flossenbürg betrafen, gefälscht waren. Marco hatte selbst an seiner Vita gearbeitet und berichtete in seiner 1978 erschienenen Autobiografie und bei Vorträgen detailreich vom Lagerleben und den erduldeten Grausamkeiten. Doch dies und seine Mitgliedschaft in der Résistance waren frei erfunden. Auch war er nicht Gestapo-Häftling gewesen, sondern ging 1941 freiwillig auf Hitlers Wunsch an Franco als Facharbeiter in die deutsche Kriegsindustrie. Später wurde er Generalsekretär der francokritischen Gewerkschaft CNT. Jetzt hat mit Javier Cercas einer der bedeutendsten Schriftsteller und Journalisten Spaniens seine spannende Geschichte über Lüge und Leben, Fiktion und Wahrheit in einem Buch aufgearbeitet, für das er unter anderem den Prix du livre européen 2016 und den chinesischen Taofen-Preis 2015 für das beste ausländische Buch erhielt.

Als es 2005 zum Skandal kam, als der Historiker aufdeckte, dass seine Geschichte eine Lüge war, waren erst wenige Tage seit Marcos bewegender Rede im spanischen Parlament vergangen, in der er an den bevorstehenden 60. Jahrestag der Befreiung des KZ Mauthausen erinnerte. Nichts war dran, denn als er 1941 freiwillig nach Deutschland ging, um im Rahmen einer Vereinbarung zwischen Spanien und Hitler-Deutschland in einer Kieler Werft arbeitete, wollte er damit dem spanischen Kriegsdienst entgehen. Was trieb ihn dazu, dieses gewaltige Lügengebäude zu erschaffen, an dem er selbst nach seiner Entlarvung festhielt? Zögerlich und doch fasziniert, bewegt Javier Cercas einen Stein nach dem anderen und guckt hinter die Fassaden: auch hinter seine eigene und die seines Landes. Mario Vargas Llosa urteilte darüber "Enric Marcos Krankheit ist die unserer Zeit, in der die Wahrheit weniger wert ist als der Schein." Leider nur allzu wahr, wie gerade wieder der amerikanische Präsident beweist. Am 27. April 2017 kommt das Buch bei S. Fischer in den Buchhandel.

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(c) Magazin Frankfurt, 2017