Richters/Simoneit, Marktwirtschaft reparieren

Richter/Simoneit, Marktwirtschaft reparieren

(c) Oekom

Amazon

Der Gedanke der Marktwirtschaft beinhaltet eine attraktive soziale Utopie: eine gerechte Wirtschaftsordnung, in der Kooperation ohne zentrale Steuerung möglich ist. Zu schön um wahr zu sein. Und in der Tat ist die heutige Wirtschaftsordnung weder gerecht, nachhaltig noch ökonomisch stabil. Leider wurde in den vergangenen Jahrzehnten in der Realität des die Marktwirtschaft umgebenden Kapitalismus diese beabsichtigte Leistungsgerechtigkeit immer stärker zugunsten weniger Privilegierter verzerrt, die mit Lobbyisten und Drohungen die Politik erpresst und die Gesetze und Rechtsprechung in die für sie gewünschte Richtung gedreht beziehungsweise Kontrollmechanismen gezielt und wirksam außer Kraft gesetzt haben. Der sich dadurch manifestierende Wachstumszwang ist für den Großteil der Bevölkerung ökologisch verheerend. Doch wer sein Einkommen Bodenspekulation oder räuberischen Rohstoffverbrauch verdankt, bezieht leistungslose Einkommensanteile. Die Zahl derjenigen, die so mächtig sind, dass sie mit ihren Experten und Anwälten die Politik zu ihren Gunsten beeinflussen können, wächst zwar international, doch erzielen sie damit immer stärker Gewinne, die die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinandergehen lässt und sie entziehen sich mit ihrem Verhalten den regulierenden Kräften des Marktes.

Deshalb fordern in der gesellschaftlichen Diskussion viele ein neues Wirtschaftssystem, da wir heute keine Marktwirtschaft haben, sondern „fast nur“ Kapitalismus.

Das Buch von Oliver Richters und Andreas Siemoneit benennt diese und andere Schwächen des Kapitalismus und entwickelt daraus politische Lösungen für eine gerechte und nachhaltige Marktwirtschaft. Ihr Ziel ist es die „real existierende Marktwirtschaft“ mit vier Maßnahmen zu reparieren, die Quellen leistungsloser Einkommen trockenlegen und ökologische Nachhaltigkeit mit ökonomischer Stabilität und sozialer Gerechtigkeit verbinden, anstatt sie gegeneinander auszuspielen.

Dabei sind sie liberal gedacht, weil sie nicht kleinteilig regulieren, sondern eine grundsätzlich richtige Wirtschaftsordnung herstellen sollen in der Ressourcenpolitik mit der Überwindung des Wachstumszwangs, in der Festlegung von gerechten Bodenwertsteuern, der Begrenzung von Größe und ökonomischer Macht und der Stärkung der Geldschöpfung in staatliche Hand.

"Entwurf einer freiheitlichen, gerechten und nachhaltigen Utopie" steht als Untertitel auf dem Buchcover. Bleibt zu wünschen, dass es nicht nur eine Utopie bleibt, also etwas, was nach der Definition des Duden ein "undurchführbar erscheinender Plan, eine "Idee ohne reale Grundlage", sondern Realität wird, denn schon Cicero wusste "Dum spiro spero (Solange ich atme, hoffe ich)". Deshalb fordern die Autoren zur politischen Umsetzung dieser Ideen die Initiative ihrer Leser.

Der Physiker und Ökonom Oliver Richters promoviert derzeit an der Oldenburger Carl von Ossietzky Universität Oldenburg über ökonomische Nichtgleichgewichtsmodellen und Wachstumszwänge und ist Vorsitzender der Vereinigung für Ökologische Ökonomie (VÖÖ), Mitglied des Instituts für zukunftsfähige Ökonomien (ZOE) und arbeitet als Referent, Science Slammer und Kabarettist. Sein Koautor Andreas Siemoneit ist Physiker, Wirtschafts-Ingenieur und Sozialwissenschaftler, assoziiertes Mitglied von ZOE und Geschäftsführer des Fördervereins Wachstumswende e.V.

bei Amazon.de bestellen

(c) Magazin Frankfurt, 2018