Spiekermann, Digitale Ethik

Spiekermann, Digitale Ethik

(c) Droemer

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Sarah Spiekermann ist Professorin an der Wirtschaftsuniversität Wien, wo sie dem Institut für BWL und Wirtschaftsinformatik vorsteht und 2016 das „Privacy and Sustainable Computing Lab“ gründete. Begonnen hat sie ihre Karriere im Silicon Valley, von wo sie zur Strategieberatung A.T. Kearney wechselte. Danach leitete sie das Forschungszentrum Internetökonomie an der Humboldt Universität Berlin. Durch ihre langjährigen Forschungen ist Spiekermann zu einer der profiliertesten Kritiker der IT-Branche und ihres Menschenbilds geworden. Im Jahr 2016 betraute sie der weltweit größte und älteste Ingenieursverband IEEE damit, den historisch ersten Standardisierungsprozess zu leiten, der sich mit ethischer Technikgestaltung beschäftigt. Das Handelsblatt nannte sie eine von 25 Frauen, "die unsere Wirtschaft revolutionieren".

In ihrem jetzt erschienenen gesellschaftskritischen Sachbuch entwickelt Sarah Spiekermann eine Ethik für Technologien der Zukunft - die zugleich ein Plädoyer für Freiheit und Selbstbestimmung im Zeitalter der Digitalisierung sein soll.

Apps, die uns unaufgefordert Informationen zuschicken; Autos, die von Google-Rechnern gesteuert werden; Sprachassistenten, die Bestellungen für uns vornehmen – immer mehr Menschen fragen: Was macht die Digitalisierung mit mir und meinem Leben?

Solange wir selbst bestimmen sollte alles gut sein, doch Spiekermann kritisiert, dass wir oft zu passiven Empfängern einer entmündigenden Technik degradiert werden und fordert deshalb ein radikales Umdenken. Statt uns zu beherrschen soll uns die Technik dienen. Das ist keineswegs der Fall, denn etliche der New Economy-Firmen sind durch windige Investoren und ihre moralfreien Anwälte zu Cash Machines für deren Anteilseigner verkommen, für die Werte wie Freundschaft, Privatheit und Freiheit nicht wirklich existiert und aus denen sich Verantwortliche wie vor einiger Zeit Marc Zuckerberg bei den Anhörungen im US-Senat und vor der EU nur allzu leicht stehlen können.

Doch wie werden wir unser Menschsein in einer digitalisierten Lebenswelt sichern können? „Wir müssen versuchen, den Wert zu entdecken, der mit Technik geschaffen werden kann. Und das ist nicht Geld, nicht Effizienz, nicht Gewinnmaximierung. Sondern Zufriedenheit, Freundschaft und Wissen.“ Eine Utopie? Vielleicht. In ihrem neuen Sachbuch entwirft Spiekermann ein mögliches Werte-System für das Zeitalter der Digitalisierung, das auf traditionellen Werten aufbaut. Man müsste es nur an verantwortlicher Stelle anerkennen und akzeptieren.


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(c) Magazin Frankfurt, 2019