Maradiaga, Papst Franziskus die Kirche von morgen

Maradiaga, Papst Franziskus die Kirche von morgen

(c) Gütersloher Verlagshaus

Óscar Rodríguez Maradiaga weiß wovon er redet. Der 75-jährige ehemalige Caritas-Präsident ist 2001 von Johannes Paul II. in das Kardinalskollegium aufgenommen worden und ist Erzbischof von Tegucigalpa in Honduras. Der Geistliche, der neben Latein, Altgriechisch und seiner Muttersprache Spanisch auch fließend Deutsch, Portugiesisch, Englisch, Französisch und Italienisch spricht ist ein wahrer Tausendsassa. Neben Klavier spielt er Saxophon und hat wegen seiner Leidenschaft für die Fliegerei hat er eine Lizenz als Hubschrauberpilot erworben.

Im Vatikan leitet Maradiaga das Gremium, das den Papst, bei der Führung der Kirche berät. Dabei erwarb er tiefe Einblicke in die Machtstrukturen der Kurie. In dem Gespräch, das jetzt in Buchform herausgekommen ist enthüllt Kardinal Maradiaga die Ziele, die Franziskus verfolgt, um die Leitung der Katholischen Kirche zukunftsfähig zu machen. Dabei geht es auch in der römischen Kurie zu, wie in einem mehr oder minder demokratischen Staatswesen: Der Umsetzung von Franziskus Zielen stehen immer wieder Widerstände aus den eigenen Reihen entgegen. Denn nicht wenige in Rom haben Angst, dass das Herz der Kirche zukünftig nicht mehr allein in Rom, sondern an vielen Orten der Welt zugleich schlagen könnte!

In dem Band gibt der Kardinal Einblicke in die spannende Innenansicht dieser heimlichen Welt mit ihren Kämpfen und erzählt nebenbei die Geschichte einer tiefen Freundschaft. Der Kardinal hat Hoffnung auf einen neuen Weg. Vielleicht nicht sofort, aber in der Zukunft. "Franziskus verändert nicht die Lehre, aber das Denken." sagt er zu der auf Christus ausgerichteten Revolution im Zeichen des Evangeliums.

Mit seinem Buch bringt sich Maradiaga auch in Stellung für eine mögliche Nachfolge von Franziskus, was natürlich dazu führte, dass sich der innerkirchliche Machtkampf auch gegen Maradiaga richtet, dem Ende letzten Jahres im linksliberalen italienischen L'Espresso überhöhte Vergütungszahlungen für seine Lehrtätigkeit auf sein Privatkonto , Korruption und Misswirtschaft vorgeworfen wurden. Franziskus und Maradiaga sehen darin ein Komplott gegen die Reformbemühungen des Papstes. Maradiaga streitet die Zahlungen nicht ab, betont aber, dass das Geld der Universität für die Unterstützung der Diözese geflossen sei. Noch ist die Angelegenheit nicht abschließend geklärt, aber es wäre bedauerlich, wenn dies die positive Reformbewegung im Vatikan gefährdet.

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(c) Magazin Frankfurt, 2018