Zantke, "Wenn Deutschland so scheiße ist,...

Zantke, "Wenn Deutschland so scheiße ist..."

(c) Riva Verlag

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Die Vorwürfe vor Gericht gegen den 29-Jährigen Libyer Mohamed F. waren lang. In einem Asylbewerberheim soll er kostspielige Schäden angerichtet haben, einen der Mitarbeiter mit dem Messer angegriffen und im Supermarkt ein siebenjähriges Kind mit einer Bierflasche beworfen haben. Weiter soll er Polizisten bespuckt und Frauen als „Nazi-Hure“ und „Scheißdeutsche“ tituliert haben. Gekrönt hat er seinen Auftritt im Gerichtssaal im Jahr 2017 mit den Worten "Scheißdeutsche" und "Scheißdeutschland". Das war der Augenblick als es de, zuständigen Richter reichte. Das ganze spielte sich in Zwickau ab, wo Stephan Zantke als einfacher Strafrichter tätig ist. Doch als er Mohamed F. dann entgegnete "Wenn Deutschland so scheiße ist, warum sind Sie dann hier?" und den Libyer zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilte, machte der 57-jährige europaweit Schlagzeilen. In seiner Urteilsbegründung wies er den Flüchtling zurecht: „Sie erhalten von unseren Steuern ein Dach über dem Kopf – und jetzt müssen wir noch Ihren Schaden bezahlen.“ Er warf ihm Frauenfeindlichkeit vor und mangelnde Achtung vor Kindern und fragte nach: „Was wäre passiert, wenn wir solche Straftaten in Libyen begehen?“

Dass die medialen Reaktionen so heftig ausfielen, zeigt, dass Zantke einen Nerv getroffen hatte.

In der Regel war es Zustimmung, die ihm entgegenschlug. Die Frage war ein Ausdruck seines angestauten Ärgers angesichts einer Vielzahl von Kriminellen, die nach und nach den Respekt vor der Justiz und dem Staat verlieren.

In dem Buch berichtet Zantke von seinen drastischsten Fällen. Von einem 14-jährigen Jungen, der es schaffte, eine ganze Ortschaft in Angst zu versetzen. Von einer Bande, die sich darauf spezialisierte, Rentner zu überfallen. Zantke gibt Einblicke in deutsche Parallelwelten und kriminelle Milieus. Er zeigt, wie nah uns das Verbrechen eigentlich ist. Und wie machtlos der Staat oftmals bleibt. Der Richter wirft einen schonungslosen Blick auf eine überforderte Justiz und Kriminelle, die sich die Schwäche des Staates zunutze machen. Eine nachdenklich stimmende Analyse. Und ein Plädoyer für ein überfälliges Umdenken.

Der in Nordrhein-Westfalen ausgewachsene Zantke studierte in Heidelberg Rechtswissenschaften und arbeitete dann als Referendar im sächsischen Kultusministerium unter der Regierung von Kurt Biedenkopf. Vor 25 Jahren begann er er seine Arbeit als Staatsanwalt in Zwickau, wo er später Amtsrichter beim Amtsgericht wurde.

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(c) Magazin Frankfurt, 2018