Lord Russell of Liverpool, Geissel der Menschheit

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Russell of Liverpool, Geißel der Menschheit

Als der Autor wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, dessen Verbrechen er als Gesandter und Generalanwalt der Britischen Rheinarmee und Hauptrechtsberater währender Kriegsverbrechertribunale genau verfolgen konnte, sein Buch herausbrachte, sollte es zunächst verboten werden, wurde dann aber zu einer vielbeachteten Publikation, auch wenn es vielerorts mit fadenscheinigen Argumenten unterdrückt wurde, was unter anderem Thomas Mann scharf kritisierte.

"Da erst konnte er begreifen, dass die Nation, die der Welt Goethe und Beethoven, Schiller und Schumann schenkte, ihr auch Belsen und Auschwitz, Ravensbrück und Dachau bot." schrieb Lord Russell of Liverpool, der als Berater des britischen Oberkommandanten einen tiefen Einblick in Wesen und Struktur der Naziherrschaft bekommen hatte. In seinem Buch lieferte er 1954 auf Basis von Augenzeugenberichten, Geheimdokumenten aus Wehrmachtsarchiven und Prozessprotokollen seine "Kurze Geschichte der Nazikriegsverbrechen". Sein sowohl sachlicher als auch erschütternder Tatsachenbericht über das finsterste Kapitel der deutschen Geschichte kann als erste umfassende Bilanz der deutschen Verbrechen im Dritten Reich gelten. "Nur wenn wir aus der Vergangenheit eine Lehre ziehen, gibt eine wirkliche Hoffnung für die Zukunft", beendet Liverpool sein Vorwort. Ein Satz der bis heute nichts an Aktualität verloren hat.

Schon im Vorfeld der Veröffentlichung kam es in England zu Unruhe auf hoher politischer Ebene und Teile der Regierung forderten den Autor auf sein Buch nicht zu veröffentlichen, wenn er nicht sein Amt gefährden wolle. Lord Russell ließ sich nicht einschüchtern und veröffentlichte 1954 „The Scourge Of The Swastika“. Sein Amt war er dann sofort los, auch wenn er selbst zurücktrat. Dabei waren die von Russell geschilderten Ereignisse an Nazi-Kriegsverbrechen zwar nicht harmlos, aber Fakt und ließen sich nicht ableugnen. Auf Russells Empfehlungen an den Obersten Befehlshaber der Britischen Rheinarmee wurden Kriegsverbrecher entweder begnadigt oder dem Gericht überantwortet. Der urteilte allerdings (als Nicht-Jurist) nicht immer nach den Empfehlungen seines Rechtsberaters und revidierte einige dessen Ratschläge. Wohl auch ein Grund für die einstige Ablehnung des Buches.

Russell erzählt in dem Buch von den unzählbaren Verbrechen gegen die Menschlichkeit, als Nationalsozialisten die Usancen der zivilen Kriegsführung mit Füßen traten und die Haager oder Genfer Konventionen ignorierten. Das Militär hatte darüber zu urteilen. Teilweise waren und sind die zugehörigen Akten gesperrt, teilweise bis 2024, weshalb manche die Legitimität der Veröffentlichung bezweifeln. Natürlich war das Sperren gegen die Veröffentlichung ein Versuch, die zu schützen, die man nicht verurteilt und in Prozessen vorgeführt hatte. Zwar hat es der Zwischenzeit ein Umdenken bei der Versiegelung dieser Akten gegeben, doch war es 1954 eine Ungeheuerlich. In Deutschland erschien das Buch sowohl im Westen wie im Osten. War damals bei uns der Frankfurter Röderberg-Verlag dafür verantwortlich, der sich den Antifaschismus auf die Fahnen geschrieben hatte. so hatte in der DDR der Verlag Volk und Welt die unveränderte westdeutsche Fassung wenig später übernommen. Russell mahnte die Verbrechen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg an und will den Deutschen diese vor Augen führen, weil er nicht daran glaubt, dass dies sonst ausreichend geschähe. 1981 verstarb Russell und wehrte sich nach der Veröffentlichung gegen den Versuch die historische Wahrheit aus politischen Gründen zu zensieren und ihm vorzuwerfen Fake-News zu verbreiten. Leider nennt Russell in seinem Buch nicht die Quellen, sondern nennt nur Namen, die man bereits aus den Kriegsverbrecherprozessen kennt. Zwar sind einige Angaben fehlerhaft, wie die Beurteilung der Bewachung der Konzentrationslager, die Russell in die Hände der Allgemeinen SS legte, obwohl es meist die Waffen-SS war, die diese Aufgaben ausübte. Doch viele Fakten waren zum damaligen Zeitpunkt noch nicht wirklich bekannt.

Lord Russell of Liverpool, Geissel der Menschheit - Kurze Geschichte der Nazi-Krigesverbrechen, Wetend Verlag, Hardcover, 256 Seiten, ISBN 978-3864892875, 24 Euro

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(c) Magazin Frankfurt, 2020