Braun, Von Bît Hilani bis zur Wartburg

Braun, Vom Bit Hilani zum Papas der Wartburg

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Anders als weite Teile der etablierten Forschung vertritt der Architekt und Stadtplaner Gerd Braun, der lange Jahre in diesen Funktionen im Planungsamt der Stadt Wuppertal arbeitete, die These, dass genormte Bauweise mit Modulen schon seit den Hochkulturen der Antike bekannt war und sich über die Jahrtausende mit der Standardisierung von Bauteilen bis zur deutschen DIN 4172 für die Maßordnung im Hochbau erhalten konnte. Ausführlich legt er in den drei Bänden seines Werks dar, dass schon die Paläste und Grabbauten der Hochkulturen des Alten Orients und Ägyptens Baukunst auf hohem Niveau belegen, auf denen dank der mathematischen und geometrischen Erkenntnisse Euklids und Pythagoras die klassisch griechische Antike aufbauen und prachtvollen Tempel errichten konnte. Doch erst der als römischer Militärarchitekt unter Caesar und Augustus weitgereiste Vitruv setzt sich intensiv mit der Bauweise älterer Kulturen auseinander und entwickelt nach ihrem Vorbild seine modulare Planungsmethode, die in dem Traktat „De architectura libri decem“ mündete. Braun zeigt, worin die Modullehre des römischen Architekten gründete und warum man sie auch heute noch in standardisierten Bauteilen der Gegenwart findet.

Der Autor holt bei der Begründung dieser These weit aus und vergleicht im ersten Band der als Trilogie angelegten Buchreihe den Zeitraum von 6500–331 v. Chr. und behandelt, eingebettet in die geschichtliche Entwicklung der Länder und Reiche, die modulare Bauentwurfsmethode auf der Grundlage verkehrsüblicher Maße - wie die in Ägypten verwendete Königselle - und den hieraus abgeleiteten Grundmaßen.

Der im Buchtitel genannte Hilani oder Bît Hilâni wird vom hethitischen Wort für Hof abgeleitet und bezeichnet eine palastartige Gebäudeform, die in Kleinasien und dem Nahen Osten ab 1500 v. Chr. vorkam und eine Palstform beschrieb. Der zweite Band fokussiert den Zeitraum von bis 456 n. Chr. und behandelt, vor dem Hintergrund der geschichtlichen Entwicklung Griechenlands und des Imperium Romanum, die modulare Bauentwurfs- und Proportionsmethode des Augusteischen Architekten Vitruv. Basis seiner Lehre sind die verkehrsüblichen Maße - wie den im ganzen Römischen Reich gültigen Reichsfuß - und den hieraus abgeleiteten Grundmaßen. Im dritten Band befasst sich Braun mit dem Kirchen-, Kloster-, Pfalzen- und Burgenbau des Früh- und Hochmittelalters, deren planerische Grundlagen auf antike und vorgeschichtliche Wurzeln zurückgeführt werden können. Im daran anschließenden Ausblick geht der Verfasser auf die Wiederentdeckung der vitruvianischen Planungsmethode in der Renaissance und den folgenden Epochen bis zum Beginn der Moderne um 1800 ein. Durch seine nachvollziehbare und ebenso bestechende, wie einfach rationalen These hat die Trilogie das Potential zum Standardwerk der Architekturgeschichte.

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(c) Magazin Frankfurt, 2018