Schulman, Trüb

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Schulman, Trüb

(c) Ariadne

Maggie Terry hat den Tiefpunkt erreicht. Gerade aus der Reha in die Welt entlassen, Exfreundin und Tochter sind schon lange weg, muss sie einen neuen Job in einer Anwaltskanzlei antreten, denn ihre Karriere bei der New Yorker Polizei ist unwiderruflich futsch. Nun heißt es den Anschluss an die Gegenwart wiederfinden.

Am ersten Tag von Maggies neuem beruflichem Dasein stattet Broadway-Bühnenstar Lucy Horne der Kanzlei einen Besuch ab. Maggie soll diskret den Mord an einer Komparsin untersuchen – die Schauspielerin Jamie Wagner wurde erwürgt –, und Lucy präsentiert auch einen Verdächtigen, den bekannten Schriftsteller Steven Brinkley. Ein Verbrechen aus Leidenschaft?

Maggie Terry kämpft mühsam um Bodenhaftung, pendelt zwischen Narcotics Anonymous-Treffen, irrationalen Stalking-Aktionen ihrer treulosen Ex und dem Versuch zu verstehen, was mit ihr und der Welt passiert ist …

Mit sardonischem New Yorker Humor erzählt Sarah Schulman, die vielfach ausgezeichnete literarische Chronistin mit besonderem Fokus auf Subkultur und queerem Stadtleben, die Geschichte einer Ermittlerin, die sich – genauso wie die USA unter Donald Trump rund um sie herum – in Auflösung befindet. Ein ziemlich bitterer Detektivroman, der gekonnt die persönlichen Probleme der Protagonistin mit dem sich massiv verändernden sozialpolitischen Umfeld verknüpft und den Leser in einem wilden Ritt tiefe Einblicke gewährt. Spannend bis zum Schluss.

Wir bewundern die Hamburger Verlegerin Else Laudan für ihr Gespür für spannende Krimis aus aller Herren (oder Damen) Länder. Wahrscheinlich liegt der Grund dafür auch in unserer Neigung; keine beliebigen Whodunit-Krimis zu lesen, sondern Kriminalromane, die sich als teils sehr bissige Kommentare an der Gesellschaft erweisen, in der sie spielen.

Wir lieben es, wenn die Geschichte temporeich und im persönlichen und figurennahen Erzählstil daherkommt und das Verbrechen quasi einer Autopsie unterzieht. "Ganz akute Themen unserer komplexen Welt sind Intoleranz und Populismus, Raubbau und mafiöse Wirtschaft. Folgerichtig liefern jetzt gute Kriminalromane den Spiegel, der in diesem Kontext Verbrechen und Gewalt kenntlich macht, und erzählen packende Geschichten dazu" schreibt Laudan in einem Artikel für das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels. Oft ist das Unmoralische darin keine Abweichung, sondern Teil der Ordnung. Gewalt kann dabei viele Gesichter haben. Laudan sucht sich oft Vertreterinnen der Zunft, die das Genre als Kunstform verstehen, unterschiedliche Formen der Gewalt unter die Lupe nehmen und sie so aufbereiten, dass der Leser gebannt mitfiebert und sich das Geschehen bildhaft vorstellen und besser verstehen kann. Es ist aber keine Kunstwelt, wie die vielen Vorabend-TV-Serien, die fern jeder Realität mitdenkende Zuschauer anödet. Gute Kriminalliteratur, wie sie Else Laudan den Lesern näherbringt, sei sie aus der Feder von Lisa Cody, Sara Paretsky oder Dominique Manotti, um nur einige zu nennen, schildert die wirkliche Welt, erweitern den Horizont und lässt daraus spannende Bücher entstehen, die gekonnt Themen aufgreifen, die uns unter den Nägeln brennen sollten. Zum Glück ist Laudan nicht die einzige Verlegerin solcher hochwertigen, tiefgründigen und nachhaltigen Kriminalromane, doch für uns ein Leuchtturm.

Sarah Schulman, Trüb, Argument Verlag mit Ariadne, Hardcover, 288 Seiten, ISBN 978-3867542418, 20 Euro

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(c) Magazin Frankfurt, 2019