Opoczynski, Schmerzensgeld

Opoczynski, Schmerzensgeld

(c) Benevento

Viele kennen Michael Opoczynski noch als investigativen Redakteur und Moderator der ZDF-Sendung WISO. Manches was er dabei in den 20 Jahren seiner Tätigkeit recherchierte, lies den Journalisten die Nackenhaare sträuben. Nicht immer konnte er damit an die Öffentlichkeit gehen, wie bei einem schweren Fall von Bankenbetrug, bei dem sein Informant einen Rückzieher machte, da er die Konsequenzen seiner Tätigkeit als Whistleblower fürchten musste. Doch jetzt greift Michael Opoczynski den Skandal auf und verarbeitet ihn fiktional zu seinem Debüt als Krimiautor.

Ermittler im klassischen Sinne gibt es darin eigentlich nicht, dafür tritt ein neues, außergewöhnliches Ermittlerteam auf den Plan: die Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen. Unauffällige Frauen und Männer mit Otto-Normal-Biografien. Ihr Einsatzgebiet: dort, wo die Polizei machtlos ist. Ihr Ziel: Ungerechtigkeit aufdecken, die Täter fassen und sie in der Öffentlichkeit bloßstellen. Ihr erster Fall: eine Privatbank, die jahrelang Tausende einfache Leute geprellt hat. Ein moderner Robin-Hood-Krimi des Moderators, der sich viele Jahre um die Rechte der »kleinen Leute« kümmerte.

Man kann Opoczynski verstehen, dass sich Ärger in ihm breit machte. Wer die Sache nüchtern beobachtet, wie heute Täter von Staatsanwaltschaften und Gerichten mit Samthandschuhen behandelt werden, kann schon den Glauben an den Rechtsstaat verlieren. Da werden verbrecherische Automobilmanager für ihre Lügen nicht zur Verantwortung gezogen, da kündigen gierige Vermieter jahrelangen Mietern unter dem Vorwand Eigenbedarf, nur um die Wohnungen kurze Zeit später bei Airbnb für ein Vielfaches an Touristen zu vermieten. Manches davon mag der Staat zwar nicht, doch wenn die Betroffenen vor den überforderten Gerichten zu Vergleichen genötigt werden, deckt das oft nicht einmal ansatzweise ihre Kosten.

Statt Verursachern mit saftigen Strafen den Verstoß unattraktiv zu machen, kriegen sie nur eine leichte Geldstrafe. Da überlegt wohl mancher, ob es nicht sinnvoller wäre die Sache selbst in die Hand zu nehmen und Selbstjustiz zu üben. Eine verhängnisvolle Entwicklung, die Angst macht. Ganz neu ist ja die Thematik ja nicht. Ältere erinnern sich wohl noch an Charles Bronson in "Ein Mann sieht rot", der den von Kriminellen verursachte Tod seiner Frau und die Traumatisierung seiner Tochter blutig rächt oder Michael Douglas in "Ein Richter sieht rot", der die wegen Verfahrensfehlern frei gesprochen aber offensichtlich schuldigen Täter doch noch ihrer Strafe zuführt. Gerecht? Vielleicht nicht, aber für viele Menschen nachvollziehbar.

Jahrelang haben die Vorstände einer privatisierten Staatsbank ihre Kunden ausgeplündert. Nach allen Regeln der Kunst, juristisch unangreifbar, ohne dass man sie belangen konnte. Tausende wurden geschädigt. Einfache Leute, denen eine sichere Geldanlage mit hohem Zins versprochen wurde und die nun alles verloren haben. Sie sind voller Zorn, voller Rachegedanken und zugleich hilflos. Der ehemalige Oberbanker hingegen sitzt in seinem Luxusappartement und genießt sein Vermögen, als es plötzlich klingelt. Was er nicht weiß: Vor der Tür stehen seine Entführer, die ihn zur Rechenschaft ziehen werden.

Mit dem ersten Fall für die Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen schreibt Michael Opoczynski nicht nur einen besonderen Krimi. Er schafft zudem ein außergewöhnliches Ermittlerteam, das sich abhebt aus dem Kreis der altbekannten Detektive und Polizisten: eine freche, schlagfertige Truppe, die sich für hilflose Opfer einsetzt und für Gerechtigkeit sorgt. Vieelleicht eine gute Anregung :-)

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(c) Magazin Frankfurt, 2020