Härtig, Lob des Unscheinbaren

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Härtig, Lob des Unscheinbaren

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Nicht nur viele Spitzenköche klagen darüber, dass die Menschen in der Regel ihren täglichen Speisen kaum Beachtung schenken. Oft sind sie nur eine Art Sättigungsbeilage, um beim Lesen neuer Mails, beim Gespräch mit Kollegen oder der Familie satt zu werden. Wenn sie sie zu sich nehmen, geschieht es häufig beiläufig und unbedacht. An diesen einfachen, alltäglichen Lebensmitteln – an Brot, Schwein und Pommes – lässt sich aber auch zeigen, dass es anders geht, dass diese Dinge sehr wohl ihren eigenen Wert haben. Mehr noch: Sie tragen eine natürliche Schönheit und Weisheit in sich. Blödsinn? Nur weil sie so alltäglich sind, fällt es nicht sofort auf und erschließt sich auch nicht auf den ersten Blick. Wichtig dafür ist eine Haltung, die geprägt ist von Aufmerksamkeit und Achtsamkeit und die sich dem Wesentlichen im Alltäglichen zuwendet.

Ich habe bei einem Kuraufenthalt bei Viva Mayr am Wörthersee gelernt, wie es ist, sich auf sein karges Mahl zu konzentrieren. Ein kleiner Dinkel-Fladen mit Fenchelgewürz war zu einigen der Mahlzeiten die einzige Speise. "Gut gekaut ist halbverdaut" hatte mit Klinikleiter ^Stossier mit auf den Weg gegeben und mir geraten jeden Bissen gründlich 30 bis 50 mal zu kauen, denn so isst man insgesamt weniger und hat zudem ein gutes und lang anhaltendes Sättigungsgefühl. Auch eine Reduktion der Gespräche beim Essen ginge damit einher – denn mit vollem Mund spricht man nicht. Dies trägt dazu bei, dass man zur Ruhe kommt und viel früher und bewusster wahrnimmt, wenn man satt ist. In der Mayr-Kur ist das Kautraining ein wichtiger Bestandteil. Geändert haben sich nur die Lebensmittel, um das Erlernte natürlich im Alltag umzusetzen.

Malte Häring, der Koch, Philosoph und Japankenner, der sich schon in seiner Doktorarbeit mit der japanischen Esskultur und dem Zen-Buddhismus befasst hat, fand in seinem Buch einen anderen Weg, den er beschritt und wendet seinen Blick folgerichtig auf die japanische Kultur, insbesondere die japanische Küche und die Teezeremonie. Betrachtet man unsere heimische Esskultur mit diesem Blick, lässt sich im Gewohnten Neues entdecken: das Unscheinbare im scheinbar Einfachen, eine Weisheit des Lebens in den Dingen, die wir täglich essen. Diese Betrachtung unserer Ernährungsweise erschließt unserem Denken, Handeln und Genießen eine neue Dimension.

Vom Grundgedanken sind die Ansätze ähnlich. Auch die Zubereitung des Essens solle mit Konzentration erfolgen, wobei man auch einfachste Dinge mit Bedacht tun sollte und auch das Essen achtsam wahrnehmen sollte. Immer wieder zieht Härtig dabei philosophische Vergleiche zur japanischen Küche, wenn er Alltägliches aus unserem Essalltag mit der Teezeremonie oder den japanischen Zubereitungen und Sichtweisen vereint. Manchmal liegt mir der Zwang, dem er sich damit unterwirft, genauso quer im Magen wie Jürgen Dollases verkopfte Geschmacksschule.

Malte Härtig, Lob des Unscheinbaren - Über die verborgene Weisheit und Schönheit unseres alltäglichen Essens, at Verlag, Hardcover, 152 Seiten, ISBN 978-3038000358, 20 Euro


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