Penke, Jünger und die Folgen

Penke, Jünger und die Folgen

(c)J.B. Metzler Verlag

Als Ernst Jünger vor 20 Jahren hochbetagt mit 102 Jahren starb, gehörte er immer noch zu den umstrittensten Autoren Deutschlands. Nach dem Krieg als Wegbereiter des Nationalsozialismus zunächst verfemt, gewann Jünger dann aber erneut an Popularität. Was ist das für ein Autor, der Adolf Hitler, Helmut Kohl und Martin Schulz gleichermassen begeistert? Er muss repräsentativ sein für die Geschichte Deutschlands im letzten Jahrhundert und er muss über Eigenschaften verfügen, die seine Person und seine Texte in vielen Richtungen anschlussfähig machen. Sein Werk polarisiert. Bis in die Gegenwart ist das Spektrum dieser affirmativen Einschätzungen und Haltungen Jünger gegenüber vor allem in konservativen Kreisen, Burschenschaftlichen Milieus und (neu)rechten Subkulturen zu beobachten.

Gegenläufig lässt sich eine Kritik nachzeichnen, die ihn zum Musterbeispiel deutscher Aggression, allgemeiner "Kriegsverherrlichung" und symptomatischer Exkulpationsstrategien nach 1945 erkoren hat.

Walter Benjamin, Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht und Jutta Ditfurth sind nur einige unter vielen Kritikern, auf die Jünger - bei aller Ablehnung und Kritik - dennoch gewirkt hat.

Zeitgleich haben die popkulturellen Bezüge auf Jünger zugenommen: Max Goldt, Tristesse Royale, Wolfgang Herrndorf, Dietmar Dath oder Susanne Blech beziehen sich auf Jünger als Ästheten und provozierendes Stilvorbild, oft jedoch im Modus der Ironie, die interpretationsbedürftig ist.

Niels Penke promovierte 2011 in Göttingen mit einer Arbeit über Ernst Jünger und lehrt seitdem an diversen Hochschulen. Derzeit koordiniert er an der Uni Siegen die Forschungsstelle Populäre Kulturen.

bei Amazon.de bestellen

(c) Magazin Frankfurt, 2018