Majeau, Brosamen für den blauen Vogel. von Arnim

Die 47-jährige Niederländerin Olga Majeau unterrichtet an der Utrechter Universität der Künste und hat jetzt ein Buch über die Geschichte ihrer Familie geschrieben, die zugleich eine bewegte europäische Familiengeschichte ist. Sie setzt ein bei ihren Vorfahren, dem berühmten Dichterpaar Bettine und Achim von Arnim und führt den Leser dann nach Den Haag, Budapest, Frankfurt, Berlin und Bozen, denn die beiden Weltkriege erschüttern das Familiengefüge auf tragische Weise. Mitreißend beschreibt Majeau in ihrem Buch das Leben der Generationen, in der Menschen wie Goethe, Beethoven, Lenbach und Liszt eine wichtige Rolle spielten. Was Bettina von Arnim mit ihrer Familie zu tun hat, erschleießt sich ihr erst langsam, denn ein Ring, 20 Briefe aus dem Gulag und beharrliches Schweigen war anfangs alles, was sie hat, als sie beschließt, ihre Familiengeschichte zu recherchieren.

Eine, wie sich herausstellt, ganz und gar europäische Geschichte, die wie kaum eine zweite die Verwobenheit von Ruhm und Leid, von freiem Geist und kriegerischem Treiben einfängt. An deren Anfang steht die legendäre Schriftstellerin Bettina von Arnim, die sich in den Kreisen Goethes, Beethovens und Karl Marx‘ bewegte. Majeau erzählt auch über das Leben von Bettinas Tochter, der Berliner Salonnière »Maxe«, die mit der preußischen Königsfamilie, Otto von Bismarck und Franz von Lenbach befreundet war, der ein Gemälde von ihrer Tochter anfertigt. Doch es sind die Weltkriege, die alles erschüttern. Verarmt, vereinsamt, verstummt bleiben Bettina von Arnims Nachfahren zurück. Gezeichnet vom Arbeitslager, von Flucht und Furcht. Vom Glanz vergangener Zeiten scheint nichts mehr übrig. Bis auf ein paar Geheimnisse, über die keiner sprechen will. Und ein einst enteignetes Gemälde, das Olga Majeau über Umwege wiederfindet: den verloren geglaubten Lenbach.

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(c) Magazin Frankfurt, 2018