Hinrichsen, Ludwig van Beethoven

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Hinrichsen, Ludwig van Beethoven

(c) Bärenreiter/Metzler

In etwas mehr als einem Jahr jährt sich der Tag zum 250ten mal, das im kurkölnischen Bonn der Pianist und Komponist Ludwig van Beethoven d Euros Licht der Welt erblickte. Da wundert sich niemand, dass in allen Feuilleton-Redaktionen und einer Reihe von Buchverlagen schon im Vorfeld über eine Würdigung über Beethoven auf den Weg zu bringen planen, die den Komponisten, der die Wiener Klassik zu ihrer höchsten Entwicklung führte und der Musik der Romantik den Weg bereitete, ehrt. Natürlich wundert es erst recht nicht, dass der auf das Verlegen von Noten für Musiker und Musikbücher spezialisierte Kassler Bärenreiter-Verlag sich des Themas Beethoven angenommen hat und als Autor nicht einen für Künstlerbiografien spezialisierten Journalisten, sondern einen renommierten Musikwissenschaftler wie Hans-Joachim Hinrichsen für die gemeinsam mit dem Metzler-Verlag schon im Vorjahr herausgegebene Biografie über "Musik für eine neue Zeit" gewonnen hat. Der Ordinarius für Musikwissenschaft an der Universität Zürich hatte das musikwissenschaftliche Studium an sein Studium der Germanistik und Geschichte angeschlossen. Schon zuvor hatte er für Bärenreiter die Klaviersonaten Beethovens analysiert. Vielleicht ist diese Neigung zur Analyse und zum wissenschaftlichen Durchdringen auch die Schwäche seiner Biografie, denn Hinrichsen bringt darin wenig Neues, auch wenn er sich bemüht, einen anderen neuen Ansatz zu finden und bereits in seinem Vorwort die älteren Biografien einiger seiner Kollegen verwirft. Hinrichsen sagt, dass Beethoven seine Musik für „die neue Zeit“ komponiert hat und an den geistigen Strömungen der spannenden „revolutionären“ Epoche in der er lebte intensiv Anteil nahm. Das trifft wohl zu. Die Zeit in der er lebte und die Erfahrungen, der er durch die Entwicklungen im In- und Ausland sammelte bildet die Grundlage seiner musikalischen Botschaften, die uns bis heute bewegen und zu denken geben.

Doch ihn als Revolutionär zu sehen, wäre wohl falsch, denn zwar bekam er als junger Mann mit, wie im benachbarten Frankreich die Monarchie kippte und König und Königin, sowie Teile des Hofstaats von den Revolutionären hingerichtet wurden, aber ihn selbst hindertes es nie, sich Zeit seines Lebens um Aufträge und Anstellungen beiden Regenten und dem Adel bemüht. Hinrichsen erzählt in zwölf teilweise sehr akademisch aufgebauten Kapiteln von den Stationen im Leben Beethovens und beschreibt detailliert in die Kompositionen einsteigend die musikalische und gedankliche Entwicklung des Komponisten. Er zeigt dabei, wie Beethoven die modernen, von Kant geprägten Ideen moralischer Selbstbestimmung und einer vernunftgeleiteten Religiosität in Musik umsetzt. Manchmal überschätzt er dabei sicherlich den Komponisten, der sicherlich nicht zu tief in die Philosophie Kants eingestiegen ist. Das gestaltet die Lektüre dieses Parts manchmal etwas mühsam. Das Urteil, ob Hinrichsen damit wirklich ein neues, faszinierendes Porträt des Komponisten und seiner Musik gelungen ist, das mehr als bereits Bekanntes neu aufbereitet, sei dem Leser überlassen. Gut ist es aber, dass Hinrichsen in seinem Buch ein Panorama der geistigen Welt präsentiert, in der sich Beethoven bewegte.

Hans-Joachim Hinrichsen, Ludwig van Beethoven - Musik für eine neue Zeit, Bärenreiter/Metzler, Hardcover, 386 Seiten, ISBN 978-3476049124, 39,99 Euro

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(c) Magazin Frankfurt, 2019