Guerriero, Benedikt XVI.

Guerriero, Benedikt XVI. - Eine Biografie

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Es ist, weiß Gott, nicht die erste Biografie über Benedikt XVI.. Dennoch lohnt sich die zum fünften Jahrestag seines Rücktritts als Papst erschienene Lektüre auch für Leser früherer Werke, wie der im Herbst erschienenen bildgeschmückten Biografie Peter Seewalds oder Marco Politis kritischer Betrachtung der Krise des Pontifikats. Ähnlich wie Seewald, den Joseph Ratzinger gut durch das gemeinsame Interviewbuch "Licht der Welt" kennt, ist auch der 69-jährige Bestsellerautor und Laientheologe Elio Guerriero ein langjähriger Begleiter und hält als langjähriger italienischer Schriftleiter der von Ratzinger mitgegründeten theologischen Zeitschrift Communio bis heute engen Kontakt zum emeritierten Papst. Dadurch gelingt es ihm, eine einzigartige Perspektive einzunehmen und das Leben Ratzingers mit seinem reichen theologischen Schaffen zu verknüpfen und das große Vermächtnis Benedikt XVI. zu präsentieren. Das Buch erzählt aus seinem privaten Alltag und von Höhen und Tiefen seines Wirkens als Professor, Erzbischof von München und Freising, langjährigem Vorsitzender der Glaubenskongregation und als Bischof von Rom. Auch die Zeit nach seinem Rücktritt vom Pontifikat ist dem intimen Kenner und guten Beobachter glänzend gelungen. Kein Wunder also, dass Benedikt XVI. das Buch mit einem Vorwort und einem kurzen Interview gut auf den Weg zum Leser brachte. „Ich möchte nachdrücklich die Tatsache unterstreichen, dass meine geistliche Verbindung mit ihm in diesen ersten drei Jahren meines Pontifikats besonders tief bleibt. Seine diskrete Präsenz und sein Gebet für die Kirche sind Unterstützung und beständige Stärkung für meinen Dienst“.

In seinem Buch schildert Guerriero nach Kindheit und Jugend auch das Leben und die Freundschaften Joseph Ratzingers und seinen theologischen Weg. Ein gelungener Mix aus Persönlichem und Theologischem, der es erlaubt den Menschen Joseph Ratzinger zu verstehen.

Guerriero schildert, was den späteren Papst in seiner theologischen Sicht prägte, wie Bonaventura und Augustinus, über die er promovierte bzw. habilitierte, wie der 31 Jahre junge Startheologe schnell reüssierte, in Freising die Professur für Dogmatik übernahm, auf einen Lehrstuhl nach Bonn wechselte und in den kommenden Jahrzehnten einflussreiche Lehrstühle an verschiedenen deutschen Universitäten übernahm, bevor Papst Paul VI. 1977 den 50-jährigen zum Erzbischof von München und Freising ernannte, kurz darauf ins Kardinalskollegium berief und am liebsten gleich als neuen Präfekten der Glaubenskongretation an den Vatikan geholt hätte. Einem Ruf, den Ratzinger drei Jahre später folgen sollte. Das wichtige Amt begleitete er bis zu seiner Wahl zum Papst im Jahr 2005. Seine Laufbahn zeichnet sich durch ihre perfekte Organisation und einen Weg ohne Brüche aus. Guerriero betrachtet dabei auch die Schriften des Theologen im Laufe der Jahrzehnte. In Deutschland genoss Ratzinger nicht immer eine gute Reputation, da ihn nicht nur Katholiken für erzkonservativ hielten. Kein Wunder, als Präfekt der Glaubenskongregation übernahm er quasi die Nachfolge der einst von Napoleon abgeschafften Inquisition und hatte „die Glaubens- und Sittenlehre in der ganzen katholischen Kirche zu fördern und zu schützen.“ Vieles, was Guerriero in seinem Buch schreibt, ist dem deutschen Leser wenig bekannt, wie die enge Zusammenarbeit mit seinem Vorgänger. Spannend auch die Zeit seines Pontifikats, in dem die katholische Kirche eine Reihe von Skandalen bewältigen musste. Im letzten Teil des Buches führt uns Guerrero in das Leben des Emeriten im Vatikan-Kloster ein, schildert seine Freundschaft mit Papst Franziskus und geht auf die Bücher ein, die sein Erbe ausmachen.

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(c) Magazin Frankfurt, 2018