Kraus, Sommerfrauen - Winterfrauen

Krauss, Sommerfrauen, Winterfrauen

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Jonas ist auf dem Weg nach New York, um dort einen Film über Sex zu drehen. Rau und radikal solle er sein, so lautet der Auftrag seines deutschen Profs. In New York kommt er erst einmal bei einem von dessen Bekannten unter - beengt und in einer gefährlichen Umgebung. Seiner Aufgabe, die Jonas gestellt wurde ist schwierig: Zimmer für die Kommilitonen organisieren, die in kurzer Zeit ebenfalls nach New York reisen, sollen, um eigene Filme zu drehen. Aber wie soll der überforderte Regiestudent ausgerechnet in der düstersten Ecke der Lower East Side und umgeben von gestrandeten Künstlerexistenzen einen Film drehen? Doch dann steht plötzlich Nele vor der Tür seiner Unterkunft, eine Praktikantin beim Goethe-Institut und eine schillernde, eigensinnige Sommerfrau. Langsam öffnet sich sein Blick für das wahre Ziel seiner Reise: die Begegnung mit der eigenen ungeheuerlichen Familiengeschichte in Person des Kindermädchens seines Vaters, die über ihren Kontakt zu seinem Großvater in die Familie kam.

Eindrucksvoll und wortgewaltig entwirft der 55-jährige aus Göttingen stammende Chris Kraus diese Geschichte, in die sicherlich auch ein Teil eigener Erfahrungen eingeflossen sind, denn hinter Jonas' deutschem Professor erkennt man ohne Probleme Rosa von Praunheim wieder, dem er als Mentor und väterlichen Freund zusammen mit seinen Kommilitonen von damals den Film Rosakinder gewidmet hat. Kraus ist ein Tausendsassa und reüssierte als erfolgreicher Filmregisseur, Drehbuchautor und Romancier. Viele seiner Filme wie "Scherbentanz" und "Poll" wurden ausgezeichnet, "Vier Minuten" mit Monica Bleibtreu und Hannah Herzsprung gewann den Deutschen Filmpreis als bester Spielfilm. Auch sein jüngster Film, die Tragikomödie "Die Blumen von gestern" mit Lars Eidinger in der Hauptrolle, wurde schon mit unzähligen Preisen wie dem Tokyo Grand Prix geehrt.

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(c) Magazin Frankfurt, 2018