"Hilfe, Oma verfrühstückt unser Erbe!"

„Senioren wollen bei uns in großzügigen Räumen mit Rundum-Sorglos-Service leben, also nicht mehr selbst waschen, putzen und kochen müssen. Wir erleben dann immer wieder, dass Kinder und Enkel dagegen sind. Während Oma es bevorzugt, ihr Häuschen selbst zu verfrühstücken, sehen die Kinder und Enkelkinder ihre Felle davon schwimmen. Sie kommen hier in den durchaus zweifelhaften Genuss zwischen Moral, Loyalität und eigenem wirtschaftlichem Nutzen zu entscheiden. Der immer wieder verblüffende Gedankengang, dass das Fell des Bären verteilt wird, obwohl er noch lebt und es selbst braucht, ist faszinierend. Und dennoch bleibt die finanzielle Angst der Nachkommen, dass das Häuschen der Großeltern von der „lustigen Witwe“ bzw. dem „lustigen Witwer“ selbst aufgebraucht wird.

1982 gründete Jörg Thuss das Unternehmen terraconsult Vermögenstreuhand GmbH, wo er sich neben der Leitung von Hotels und Appartementhäusern besonders auf die Führung von Altenwohnhäusern konzentriert. Zu seinen renommiertesten Projekten zählen die im Jahr 2000 übernommenen Seniorenwohnheime „Hotel & Residenz“ in Bad König und Schlangenbad.

Unter dem Motto „Wohnen, Leben, Genießen“ führt das Unternehmen Altenwohnhäuser mit Hotelcharakter und präventiver Sicherheit. Thuss: „Sicherlich haben unsere Appartementhäuser einen gewissen Standard – und genau das ist es, was viele Angehörige unserer Bewohner nachts umtreibt. Sie werden nervös, wenn sie zusehen müssen, wie die Mutter ihr Erbe in unserem Restaurant verfrühstückt. Geld für sich selbst ausgeben: wenn nicht jetzt, wann dann? Nachkommen würden diese Frage am liebsten mit "nie" beantworten. Denn mit jedem erfülltem Konsumwunsch der Oma sehen sie ein Stück ihres zukünftigen Eigenheims im Nirvana verschwinden. Das Rentensystem ist am Ende und das Dilemma der Generationen nicht gelöst. In der Gesellschaft, die von Jahr zu Jahr stärker unter den Problemen der Demographie ächzt, wird den jüngeren Versicherten zusätzlich Last aufegbürdet. Sie müssen schauen, wo sie bleiben. Wenn dies aber auf Kosten der Menschen geht, die ihnen Nahe stehen, hat Mama Merkel ihren Job nicht richtig gemacht.“

(c) Magazin Frankfurt, 2017